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Salzkammergut Trophy '10
 
 
 
 
 
3520hm Fünf längere Anstiege sind zu bewältigen: 850hm am Raschberg | 300hm an der Hütteneckalm | 450hm am Salzberg | 650hm zur Roßalm und zum Schluss noch gut 500hm irgendwo im Wald
>35% Die schwierigste und nahezu unfahrbare Steigung findest du am Salzberg. Nur die ganz Eisernen fahren hier noch. Für alle Anderen werden Steigung von über 35% schon beim Schieben zu einer echten Herausforderung.
123km Streckentechnisch bietet die B-Strecke alles, was man sich als MTB-Marathon-Biker wünschen. Von knackigen Uphills, über teils anspruchsvolle Downhill, tollen Ausblicken beispielsweise an der ewigen Wand oder dem Hallstätter See und grandiosen Schmerzen in den Beinen.
S2 Trotz der Vielzahl an Fahrern wurde an Trails der schwierigeren Art nicht gespart. Teils verblockte, teils Treppen und Absätze oder auch richtig ruppige Highspeedabfahrten.
50€ Für das Startgeld werden ein Transponder, Dusche, Power-Start-Paket, Finisher-Shirt und diverse Gutscheine geboten.
www   www.salzkammergut-trophy.at
blog.trophy.at
Videos zum Rennen
 
Rennbericht vom Torsten Strecke B
In Folge der ersten Euphorie unser super Platzierung beim Heavy 24 in Chemnitz musste ich es Marcus gleichtun und mich für die „kleine“ B-Strecke bei der Salzkammergut Trophy 2010 anmelden. Die Strecke mit offiziell 3900 hm bei 120 km Streckenlänge sollte von den Randdaten her das wohl härteste Rennen meines Lebens werden.
Am späten Freitagnachmittag erreichten wir den Startort Bad Goisern und schlugen unser Quartier auf dem Campingplatz am Sportplatz auf. Auffällig war dabei, dass außer uns alle Leute dort Tschechisch oder Rumänisch sprachen. Na gut ein paar Ossis waren auch noch da. Anschließend ging es noch schnell zum morgigen Startbereich zur Ausgabe der Startunterlagen. Unsere Bikes hatten wir unangeschlossen im Camp stehen lassen. Hätte sie jemand geklaut, hätten wir uns am nächsten Tag halt die Tortur durchs Salzkammergut gespart. Beim Auspacken der Startunterlagen musste ich kurz lachen. Unter meiner Nummer B198 stand doch tatsächlich der nur spaßeshalber angegebene Spitzname „Der Lange“.
Nach einer halbwegs geruhsamen Nacht auf meinem neuen High-End-Luftbett war gegen 6 Uhr für uns die Nacht beendet. Die Fahrer der langen A-Strecke befanden sich zu diesem Zeitpunkt schon längst auf der Strecke. Zum Glück konnte ich mich auf die kommenden Strapazen mit einem recht ausgiebigen Frühstück vorbereiten und auch das heilige Ritual des Toilettenbesuches vorm Start konnte trotz großen Andrangs noch erledigt werden.
Gegen 8:15 Uhr fanden wir uns etwa in der 5. Reihe im ersten Startblock ein. Nur die 50 gemeldeten Topfahren durften sich kurz vorm Rennen noch vor uns aufstellen. Die Wahl dieser Startposition sollte sich als echter Glücksgriff erweisen. Am Anfang des Rennens wurde ich zwar von einigen Fahrern regelrecht stehen gelassen, dafür kann man sich aber immer an das Hinterrad relativ starker Fahrer hängen und an engen und schwierigen Passagen muss man nicht allzu lang im „Stau“ stehen.
Pünktlich 9 Uhr erfolgte dann der Start und es ging erstmal auf Asphalt, relativ gemächlich in Anbetracht der noch kommenden Anstiege, durch Bad Goisern. Dann kam der erste 850 hm lange Anstieg zum Raschberg. Zunächst auf Asphalt konnte ich ca. 5 Minuten am Hinterrad der österreichischen Skisprung-Legende Andreas Goldberger fahren. Dieser sollte mit seinen geschätzten 50 kg Körpergewicht doch deutliche Vorteile im Anstieg besitzen. Danach folgte ein Abzweig ins Gelände und es kamen die ersten steilen Rampen auf Schotter. Hier zeigten sich bei den ersten Fahrern technische Defizite im Uphill. Immer wieder rutschten vor mir diverse Hinterräder durch und die Weiterfahrt wurde zur reinsten Slalomrunde, bei der man eine gehörige Portion Glück brauchte, um nicht Absteigen zu müssen. Der Anstieg wurde immer schwieriger und war nun gespickt mit einigen glatten Steinen und Wurzeln. Ich fuhr hier auf der Ideallinie wurde aber von einem übermotivierten Trottel abgedrängt und rutschte auf einer Wurzel aus. Hinter mir stürzte noch ein weiterer Fahrer und ich blutete leicht am Knie. Das sollte mich allerdings im weiteren Verlauf des Rennens nicht behindern. Nach dieser Passage wurden die letzten Höhenmeter auf einem relativ steilen aber breiten Schotterweg zurückgelegt. Ich kurbelte einen relativ leichten Gang mit hoher Frequenz, um mir ausreichend Kraft für die noch kommenden Anstiege aufzusparen. Auch wollte ich nicht wieder, wie bei der Mad East, bereits nach 35 km Krämpfe in beiden Beinen bekommen. Danach eine schnelle und einfache Schotterabfahrt, kurzer Stop an der ersten Raststation (in Österreich auch liebevoll Labestation genannt) und dann kam auch schon ein kleiner, aber gut fahrbarer Gegenanstieg von 300 Höhenmetern zur Hütteneckalm. Was dann folgte, würde ich auf einer Tour als einen echten Sahnetrail bezeichnen. Im Renntempo war ich aber eher damit beschäftigt, nicht zum zweiten Mal zu stürzen. Die Abfahrt begann mit einigen steilen Schotterpassagen, ging weiter mit einem verblockten Trail mit größeren Wurzelabsätzen, wo ich aus Sicherheitsgründen wie die meisten Fahrer schob, und gipfelte schließlich in der für die Salzkammerregion berühmten ewigen Wand. Diese ist ein kurzer Weg, der gut gesichert und durch zwei kleine Tunnel verlaufend direkt an einem beeindruckenden Abhang entlanggeht. Am Eingang des längeren Tunnels rutschte ich noch auf einem Stein aus und wäre beinahe in die Felswand eingeschlagen. Mit akrobatischen Mitteln konnte ich direkt vor den Augen zweier Streckenposten aber noch Schlimmeres verhindern. Nach weiteren trailigen Passagen wurde man im Tal von ein paar kniffeligen Treppen im beschaulichen Örtchen Lauffen begrüßt.
Nun folgte die einzige längere Flachpassage von ca. 25 km Länge entlang am Hallstätter See. Dieser Abschnitt sollte aber Aufgrund der immer unerträglicher werdenden Hitze von bis zu 36 °C im Schatten auch nicht gerade der Erholung dienen. An meinem Hinterrad bildete sich recht bald eine Ansammlung von 5 weiteren Bikern, die trotz mehrmaligen Ausrollens meinerseits mir den Platz an der Sonne nicht abnehmen wollten. Nach ca. 10 km zogen diese Luftpumpen dann geschlossen an mir vorbei und ich konnte nicht mehr folgen. So ein Mist! Nun gut, ich nahm das Tempo etwas raus, um mich nicht weiter zu verausgaben und dank einiger kleinerer Anstiege verlor ich die Gruppe bis zum Ende der Flachpassage auch nicht aus dem Blickfeld. Als kleines Highlight der Streckenführung ging es dann noch direkt am Ufer des Hallstätter Sees über wunderschöne künstlich angelegte Terrassenwege. Was nun folgte war der gnadenlose Anstieg von 450 hm zum Salzberg. Dies war schon auf dem Streckenprofil ersichtlich, da die Höhenmeter auf lediglich 3 km Strecke zu bewältigen sind. Die ersten 300 hm hätte man auf einem steilen, im Zickzack angelegten Weg noch fahren können. Allerdings hatten einige schiebende Fahrer etwas gegen mein Vorhaben. Nachdem ich zum 2. Mal von so einem Vollpfosten vom Rad geholt wurde, hatte ich dann die Schnauze voll und entschied mich ebenfalls für eine kleine Wanderung. Die ganze Anstrengung hätte man sich auch sparen können. Direkt parallel zum Weg verlief die Trasse einer hübsch anzusehenden Zahnradbahn. Nun wurde der Anstieg immer erbarmunsloser. In der prallen Sonne ging es senkrecht eine steile Wiese hinauf. Diese war vorsorglich mit einer Plane überzogen, so dass es nicht allzu schlammig war. Angekommen am Knappenhaus wurde jeder Teilnehmer persönlich von einem Moderator begrüßt. Als ich dann hörte „ Und hier aus Deutschland „Der Lange““, musste ich trotz des körperlichen Ausnahmezustands schmunzeln. Die letzten Höhenmeter ging es dann über eine extrem gebückte Asphaltstraße, wo sogar das Laufen weh tat. Dank der langen Übersetzung meiner Beine konnte ich hier allerdings ziemlich viele Plätze aufholen. Ich dachte mir, so macht Radfahren Spaß ;-) Zwei harte Fahrer schafften es tatsächlich dort zu fahren. Allerdings war das wohl so anstrengend, dass ich sie nach einer kurzen Abfahrt auf dem 650 hm langen Anstieg zur Roßalm leicht überholen konnte. An diesem nach oben hin auch sehr harten Anstieg zeigte sich dann auch der Erfolg meiner anfänglichen Taktik, lieber kleine Gänge mit hoher Frequenz zu treten.
Ab hier bis zum Ziel sollte mich dann kaum noch ein Fahrer überholen, dafür konnte ich unzählige Plätze gut machen. Auf dem Gipfel traf ich an einer Verpflegungsstation Stefan vom FXX Team. Dieser war bei Rennen in der Vergangenheit immer deutlich schneller als ich, sah an diesem Punkt der Strecke aber schon extrem von den Rennstrapazen gezeichnet aus und konnte laut Ergebnisliste wohl auch das Rennen nicht mehr beenden. Nach Überfahrt eines welligen Plateaus folgte noch eine schön lange und relativ einfache Schotterabfahrt zum Gossausee, inklusive superschnellem Asphaltstück. Noch mit guten Beinen die letzten 500 hm zur Schäferalm hochgedrückt, dabei unzählige Fahrer von der C-Strecke über 74 km abgezogen (man hatte die eine Fahrerin einen dicken Hintern!) und hinein in die recht ruppige Abfahrt. Die Handgelenke schmerzten nun doch schon merklich. Am Ende der Abfahrt erwartete die Fahrer dann noch eine wirklich tiefe Querrille. Auch wenn ich mich schon über den Lenker fliegen sah, dachte ich mir Scheiß drauf und konnte dank meiner im Frühjahr bei einem Fahrtechnikseminar erlernten Fähigkeiten unbeschadet und fast elegant das Hindernis überwinden. Nun sollte es die letzten 25 km etwas wellig ins Ziel gehen. Auf einem kleineren, parallel zur Straße verlaufenden Schotteranstieg wurde ich auf einmal von einem hellen Blitz überrascht. Erst dachte ich, der Sportograf steht im Gebüsch, aber der folgende Donner kündigte ein heftiges Gewitter an. Kurz vorm Ziel musste man dann noch zum zweiten mal ein kleines Fahrtechnisches Hindernis unter einer Brücke durchqueren. Dort lag ein Teilnehmer mit schmerzverzerrten Gesicht wie ein Marienkäfer auf dem Rücken.
Ein bereits zur Hilfe geeilter Streckenposten versicherte mir, dass er die Situation im Griff hätte. Mein etwa gleichschneller Begleiter auf den letzten Kilometern konnte mich in diesem Hindernis leider abschütteln und somit wurde ich meines herbeigesehnten Zielspurts durch Bad Goisern beraubt. Na egal, genügend Zuschauer waren ja da, also habe ich einen Zielsprint mit mir selbst als Gegner angezogen. Noch ein paar kleine Stufen hinunter und ich überquerte glücklich und reichlich entkräftet die Ziellinie. Meine beiden Ziele hatte ich erreicht. Die Uhr blieb unter 8 Stunden stehen und den „Goldi“ (österreichischer Spitzname von Andreas Golberger) hatte ich auch geschlagen, da er wohl unterwegs aufgegeben hatte. Im Ziel begrüßte mich dann auch schon Marcus. Dieser war erst nicht sonderlich angetan von seiner Leistung, da ihm insbesondere am Salzberg die Hitze wohl stark zugesetzt hatte. Nach Bekanntgabe der Gesamtergebnisse, sollte seine Laune aber wieder deutlich besser werden. Am Ende unser extrem gebückten Unternehmung noch das Finisher-Shirt abgeholt und schon begannen sich die Schleusen des Himmels zu öffnen. Puh, Glück gehabt! Die noch auf der Stecke befindlichen Fahrer sollten für die nächsten Stunden eine ordentliche Gewitterdusche bekommen.
Nach einer kurzen Erholung im Zelt ließen wir den Renntag in einer Pizzeria bei guten Essen und üppiger Portionsgröße gemütlich ausklingen. Wiederholungsgefahr für nächstes Jahr nicht ausgeschlossen!
 
Ergebnisse
Marcus AK1 Platz 41. von 147 und overall 155. von 853 mit 7:12h
Torsten AK1 Platz 70. von 147 und overall 298. von 853 mit 7:49h
 
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