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Ötztaler Radmarathon '08
 
 
 
 
 
5500hm Die Höhenmeter teilen sich auf 4 Hauptanstiege auf: 1200hm auf den Kühtai-Anstieg, 700hm am Brenner, 1100 am Jaufenpass und 1800 am Timmelsjoch.
18% Das steilste Stück des Rennes befindet sich nach der kleinen Erholungsphase nach dem Ochsengarten mit gut 18%.
238km Streckenpunkte: Sölden | Umhausen | Oetz | Kühtai | Kematen | Brenner | Sterzing | Jaufenpass | St. Leonhard | Timmelsjoch | Obergurgl | Sölden
gut Bis auf die Abfahrt vom Jaufenpass ist die komplette Strecke in einem sehr guten Zustand.
89€ Im Startpaket sind eine abgesperrte Strecke, Labe-Stationen, ärztliche Versorgung, technischer Service und ein Trikot enthalten. Nach dem Rennen bekommt man die 10€ Leihgebühr für den Transponder zurück erstattet.
www   http://www.oetztaler-radmarathon.com
 
Statistik
  Kühtai Brenner Jaufenpass Timmelsjoch
1200hm 697hm 1130hm 1759hm
17,3km 38,2km 21,6km 31,4km
6,9% 1,8% 5,2% 5,6%
2
0
0
8
1:23.31,5 1:24.49,0 1:24.42,1 2:57.24,7
1938. 1919. 1643. 2117.
Bericht 2008
Ein Radrennen voller Extreme. Die nackten Zahlen sprechen schon allein für sich: 238km und 5500hm. Fast vier hochalpine Pässe warteten an diesem Sonntag auf die 4000 Starter. Nach dem ich die Nacht relativ unruhig geschlafen hatte und jede Stunde auf die Uhr schauen musste, stieg ich um 5 Uhr aus den Federn. Nach einer erfrischenden Dusche ging es zum Frühstück, wo ich nicht wirklich viel essen konnte. Ein Nutella-Brötchen konnte ich mir trotzdem irgendwie runter quälen. Noch war es ein wenig dunkel draußen und die Straße auch noch nicht gesperrt. So bummelte ich beim Anziehen, um die Zeit zu überbrücken, bis ich losrollen konnte. Kurz nach 6 Uhr machte ich mit zusätzlichen Armlingen und Windweste auf die 4 km lange Anfahrt nach Sölden. Dort kam ich dann so ca. 6:15 an und musste mich schätzungsweise mit Startplatz 2000 begnügen. Mitten im Getümmel versuchte ich mich ein wenig mit Rumschauen und Zuhören abzulenken und so die ewig langen Minuten bis zum Start zu überbrücken. Einige Teilnehmer nutzen die Minuten noch für einen kleineren Toilettengang. Ich aß lieber einen Riegel, um den Körper nach dem dürftigen Frühstück mit einigen Kohlenhydraten zu versorgen. Pünktlich 6:45 knallte in circa 500 Metern Entfernung der Startschuss. Nach 5 Minuten klickte es nacheinander und das Feld begann sich langsam in Bewegung zu setzen. Mit einem fünfziger Schnitt fuhr das Feld in Richtung Oetz. Mit über 80km/h rasten wir jetzt schon auf den Geraden, welche doch nur 3% Gefälle hatte, weiter.
Permanent musste ich aufpassen, dass ich nicht von übereifrigen Knallos über den Haufen gefahren werde. Wenn du hier nicht Hundertprozent wach bist, dann knallt es mit Sicherheit. Zumal viele Radfahrer unterwegs waren, die sich scheinbar immer auf die Anderen verlassen haben. So ve rwunderte es mich nicht wirklich, dass es im ersten kleineren Tunnel richtig scherbelte. Es musste wohl in den vorderen Reihen richtig geknallt haben. Es bildete sich ein kleinerer Stau und so verloren wir dahinter schon mal 2 Minuten. Nach dem Rennen erwähnte jemand, dass wohl 12 Fahrer ineinander gefahren seien und eine Frau einen Schädelbasisbruch erlitten hatte. Nach diversen Verkehrsinseln und Kreisverkehren erreichte ich nach circa 40 Minuten das kleine Örtchen Oetz. Ab hier war das Windschattenfahren beendet und der höchste Schnitt des Tages sollte jetzt nur noch nach unten fallen. Erstaunlicherweise ging es ohne großen Stau auf die ersten Serpentinen in Richtung Kühtai hinauf. Vor dem unregelmäßigen Anstieg der Seehöhe hatte ich am meisten Respekt und im Trainingslager verlief die Auffahrt auch etwas beschwerlich. Gut, dass es jetzt zwei Monate später war und es noch früh am Morgen ist. Demzufolge war es noch nicht heiß und die Sonne knallte auch noch nicht so wie damals im Trainingslager. Der Anstieg zur Seehöhe verlief für mich sehr gut. Konzentriert auf meinen Pulsmesser, achtete ich darauf, dass ich nicht gleich am Anfang überdrehte und somit schnell Krämpfe riskiere. So fuhr ich also immer so knapp unter 180 Schläge am Anfang zum Warmfahren. Schnell fand ich zu meinem Rhythmus und den Rettungsanker brauchte ich Gott sei Dank auch noch nicht allzu oft. Das Feld war hier noch sehr eng zusammen und so musste man auch mal laut stark seine Meinung über Leute äußern, welche nicht befähigt waren, eine gerade Linie den Berg hinauf zu fahren.
Nachdem sich das Feld ein wenig normalisiert hatte, machte ich Position um Position gut. Ab und an schossen natürlich ein paar Fahrer an mir vorbei. Als ich den Ochsengarten passiert hatte und mir die ersten Sonnenstrahlen des Tages ins Gesicht schienen, erreichte ich das steilste Stück der heutigen Tour. Mein neuer Radcomputer meinte zwar, dass es nur 14% seien, aber laut Höhenprofil sollten es wohl so 16-18% sein. Nichts desto trotz ging es erstaunlich leicht, nur war es schwierig an den fast stehenden Radfahrern noch vorbei zu fahren. Natürlich stellte sich mir ab und an wieder die Frage, warum Leute hier im Mittelfeld als Bergübersetzung 42-25 oder noch schlimmer wählen, wenn offensichtlich nicht der benötigte Bumms dafür in den Beinen haben ist. Sie machten es dem gesamten Feld schwer, nicht einfach am Berg den Hang hinunter zu fallen. Irgendwann war auch dieses kurze Stück sehr schnell geschafft und immer wieder gab es Anfeuerungsrufe der doch zahlreichen Zuschauer. Einer schrie dann: "Da will ich mehr sehen!". Auf den letzten Kehre ratterte bei meinem Nebenmann die Schaltung, er zog nach rechts, schnitt mir den Weg ab und ich musste notgedrungen aus den Pedalen. Natürlich kam gleich von hinten ein Italiener und beschwerte sich lautstark. Aber versuche mal bei hunderten Radfahrern und 12% Steigung wieder in die Pedale zu kommen. So verlor ich mindestens 50 Plätze, aber das machte mir bei meinem ersten Ötztaler nicht sonderlich viel aus.
Nach 1:23:32 erreichte so ziemlich im Mittelfeld den ersten Alpenpass des heutigen Tages. Eigentlich ging die Auffahrt sehr flüssig und ich musste mich sonderlich strecken, um hier hoch zu kommen. Nach dem obligatorischen Toilettengang, einem Powerbarriegel und dem Nachfüllen der Getränkeflaschen, stürzte ich mich in die Abfahrt nach Kematen. Den Mund noch voller Reste vom Powerbar lies ich es die ersten Meter gemütlich Rollen. Die gesamte Abfahrt ist wirklich ein Traum. Breit und gerade wie eine Autobahn. Nach dem ich das Kauen und Trinken beendet hatte ging es mit gut 80 Sachen durch die langen Galerien. Immer der Ideallinie folgend musste ich diese bei Highspeed für den mit gut 140 fahrenden Krankenwagen räumen. Überhaupt sollte es heute nicht der Einzige bleiben. Kein Wunder, dass es zu zahllosen Stürzen kam. Als mich bei über 100 ein anderer Fahrer schnitt, fragte ich mich schon über dessen Geisteszustand. Nach der Highspeedpassage folgt eine kleine Rechts-Links-Kombination wobei man bei der Linkskurve schon stark abbremsen muss, um nicht im Feld bzw. an der Hauswand zu landen. Ein Fahrer tat dies vermutlich nicht. Bei ihm stand der Krankenwagen und gefühlmäßig konnte das nicht gut ausgegangen sein. Um mich nicht allzu sehr damit zu belasten, guckte ich einfach nicht hin und fuhr mit gemütlichen 70-80 weiter in Richtung Tal. Kurz vor Kematen durchfuhren wir noch einige enge Städtchen und Tunnel. Wobei es wieder einige übertreiben mussten. Wenn man mit 70 in einer Tunnelkurve bei schlechter Sicht fährt, sollte man annehmen, dass alle Fahrer grob hintereinander fahren. Einige Gringos bekamen nicht einmal das auf die Reihe. Und so kam es fast permanent zu gefährlichen Szenen.
Irgendwie aber erreichte ich doch ohne Sturz Kematen. Ab hier sammelten sich wieder viele große Gruppen, welche schnell an Speed aufnahmen. Mit 40 und mehr fuhren wir bis Innsbruck. Am Anfang noch ruhte ich mich noch im Windschatten gemütlich aus, versuchte dann ab Innsbruck das Tempo in der Gruppe hochzuhalten. Bis zum ersten Anstieg führte ich also eine Gruppe von circa 40 Fahrern an. Als ich das Tempo auch am Anstieg nicht allzu sehr drosselte zerfiel die Gruppe sehr schnell und jeder fuhr wieder sein eigenes Tempo. Nach einigen Zeit und einer sehr gleichmäßigen Steigung von 4-5% bildeten sich erneut diverse kleinere Gruppen. Zur Entspannung ging ich immer wieder im Wiegetritt und überholte wieder nach und nach einige Fahrer. Die Beine hätten jetzt einiges mehr hergegeben. Da ich aber erst ein Drittel der Höhenmeter weg hatte, wollte ich natürlich nicht überdrehen und so beließ ich es bei einem Puls um die 160 bis 170. Nach der nächsten kleinen Toilettenpause verlor ich meine Gruppe, welche ich dann erst wieder nach einigen Minuten einholte. Als die Strecke wieder auf ca. 1% Steigung abflachte, formierte sich eine sehr große Gruppe, welche das Tempo mit 35-40 sehr hoch hielt. Ich nutzte die Zeit, um erst einmal wieder den Körper mit ausreichend Flüssigkeit zu versorgen. So ging es dann also in schöner Zweierreiher zum letzten steilen Stück am Brenneranstieg. Erwartungsgemäß zerfiel hier wieder die Gruppe und die Strecke wurde auch wieder voller. So schob ich mich entspannt im Wiegetritt an einigen Duzend unter den Rufen der Zuschauer nach vorne. Die Labestation am Brenner war hoffnungslos überlaufen und so dauerte es einige Zeit bis mein Rennrad abgestellt, etwas zu Trinken bekommen und meinen Riegel gegessen hatte. Insgesamt lies ich es hier schon deutlich ruhiger angehen. Noch eine kleine Pinkelpause und so vergehen schnell mal über 5 Minuten. Deshalb werde ich mich nächstes Jahr wesentlich mehr beeilen, um nicht mehr dermaßen viel Zeit liegen zu lassen. Ich überholte zwar am Berg immer so im Schnitt 100 Fahrer, aber nach der Abfahrt rückte ich immer wieder 100 Plätze nach hinten.
Rein von den Getränken war die Verpflegung immer gut. Es gab vom Wasser, über Iso, Cola und Red Bull fast alles. Aber das Essen war nicht so der Hit. Ich werde mich dann wohl auch nächstes Jahr wieder auf Powerbar und Powergel verlassen. Da das Gefälle vom Brenner relativ flach ist und der Wind mir schön ins Gesicht entgegen wehte, suchte ich mir ein paar Fahrer und bildete eine kleine Gruppe. Da hier mal wieder keine Tempo fahren wollte, führte ich die Gruppe auf dem ersten Teilstück an. Immer wieder fuhr ich an Einzelfahrer heran, ruhte mich ein paar Sekunden in deren Windschatten aus und dann ging es weiter. Die Traube hinter mir wuchs an. Plötzlich knallte es laut und ich wunderte mich, was das wohl gewesen sein könnte. Es hatte den Verschluss meiner Trinkflasche abgesprengt und so schwappte das Wasser fröhlich heraus. Keine gute Voraussetzung für den Anstieg zum Jaufenpass. Auf der nun steiler werdenden Abfahrt konnten sich 6 Fahre inklusive mir Absetzen. Wir fuhren dann gemeinsam in den Anstieg hinein. Schnell war ich bei 9-10% im Schnitt auf dem kleinen Blatt angekommen. Aufgrund der gleichmäßigen Steigung konnte ich gut Höhenmeter sammeln, da mir solchen Anstiege sehr liegen. Leider war dann irgendwann der Wasservorrat etwas zur Neige gegangen und so bemühte ich das Servicefahrzeug wegen einer Flasche Wasser, was wieder einige Minuten in Anspruch nahm. Mittlerweile knallte die Sonne unermüdlich auf die Köpfe und Körper der Fahrer. Ich nutzte jede Möglichkeit um im Schatten der noch vorhandenen Bäume zu fahren. Ein Mountainbiker mit Slicks rief mir dann zu: "Du schon wieder!". Ich antworte ihm dann nur: "Was, ich bin nur ein einsamer Radfahrer, der sich hier den Berg hinauf quält." Einsam war man hier oben nicht wirklich. Noch immer Rad an Rad kämpften sich Männer und Frauen den Jaufenpass bei drückender Hitze hinauf. Eine Totenstille in mitten eines Menschensmeeres. Da könnte man im Frühling auf Mallorca beim Abendessen eines 3-Sterne-Hotels richtig neidisch werden. So quatschte ich mit den beiden, welche mich angesprochen hatten in aller Seelen Ruhe und so vergingen auch die Kilometer sehr schnell. Kurz vor der Passhöhe kamen wir auf schätzungsweise 1900m aus dem relativ dichten Wald hinaus und wurden gleich mit einem schönen Gegenwind begrüßt. So fuhren wir drei also in Einerreihe an allen anderen vorbei hinauf zur Passhöhe, welche ich nach 1:24:42 mit einem 15er Schnitt erreichte.
Oben angekommen musste ich der rasenden Auffahrt Tribut zollen. Ich zitterte trotz 30°C am ganzen Körper und verspürte weder Hunger noch Durst. Nach einigen Minuten der Regeneration, wagte ich mich immer noch zitternden Körper auf die Abfahrt. Meiner Ansicht nach ist diese der gefährlichste Streckenabschnitt im Rennen. Die Kurven sind fast nie einsehbar, der Belag manchmal extrem löchrig und die Fahrt am Abgrund macht die Sache auch nicht schöner. So überholten mich am Anfang einige Fahrer, weil ich es doch relativ gemütlich angehen lies, um mich erst einmal wieder zu finden und zu konzentrieren. Anderenfalls hätte ich dann vermutlich am Baum geklebt. Nicht vorstellbar, dass die Straße sonst nicht für den Autoverkehr gesperrt ist. Nach gut 40 Adrenalinabfahrt erreiche ich St. Leonhard, wo ich mich dann gleich am Wende das erste Mal richtig verschätzte. Gut nur, dass der Kreisverkehr keine Verkehrsinsel beinhaltete. Nun sollte der Schafrichter folgen. Das Timmelsjoch. Im Juni war ich es ja bereits von der anderen Seite aus gefahren und empfand es bei 12-14% mit Gegenwind als sehr schwer. Die andere Seite ist zwar flacher, aber wenn man hier schon über 3400hm und über 170km in den Beinen hat, kann auch das sehr schwer werden. Ich zog also schnell meine Sachen aus, goss die Wiese und mit Gel im Mund ging es auf die erste steilen Meter. Insgesamt ist der Anstieg relativ gleichmäßig, d.h. es wird nur auf einem kurzen Stück wieder flach. Ansonsten musste ich mich bei 9-12% konstanter Steigung hinauf kämpfen. Das Problem war nicht nur die Belastung an sich. Auch die immer weiter steigenden Temperatur machten dem gesamten Feld zu schaffen. Je heißer es wurde, desto mehr musste man trinken und desto langsamer musste man fahren, damit der Körper überhaupt noch die Flüssigkeit absorbieren konnte. Als ich das Schild für die vorletzte Labe sah, rechnete ich ab hier die Höhenmeter bis zu dieser runter. Nur leider haben sich die Organisatoren um 200hm verschätzt. Ich hatte kein Wasser mehr und so begann die Schleichfahrt. Immer wieder hielt ich ein Kehren an, um die sich nun langsam verkrampfende Muskulatur zu lockern. Einige Fahrer kippten sprichwörtlich vor Erschöpfung vom Rad. Eine Abkühlung boten nur die kurzen und kühlen Tunneldurchfahrten.
Nach dem die Straße abflachte erreichte ich nach einem Kilometer die vorletzte Labe-Station. Einer gefühlten Minute (in echt vermutlich 5) verließ ich mit vollen Trinkflaschen und 2 Bananen im Mund diese wieder und wagte mich an die letzten 600hm des Rennens. Das Tempo wurde immer langsamer am Berg und es gab kaum noch jemand, der wirklich schneller fahren konnte, als der Rest. So gab es dann auch keine großen Platzkämpfe mehr. Immer wieder drückte ich am rechten Schalthebel, ob denn das noch ein leichtere Gang zu finden sei. Aber 30-27 war das Minimum. Ich beneidete die anderen Fahrer nicht, welche hier immer noch mit 39-xx hochfuhren. Aber das ist selbstgewähltes Leid. Als es dann die letzten 400hm Richtung zur Sache ging, gab einem der Banner: "Hast du deinen Traum schon ausgeträumt." den letzten Kick. Die Zahl der Aufgeber und Absteiger stieg mit jedem Höhenmeter. Ab jetzt hieß es beißen. Immer wieder stellte ich mir die harten Anstiege bei einem Alpencross vor oder die Pace zur Rifugio Graffer mit 20% und mehr. Da musste doch noch was gehen, sagte ich mir immer wieder. Mittlerweile zählte ich die Höhenmeter 5hm-weise herunter; stieg immer wieder ganz vorsichtig in den Wiegetritt und versuchte mit Minimalspeed von 8km/h nicht vom Rad zu kippen. Gut 200hm vor dem bekannten Tunnel verkrampfte meine Oberschenkelmuskulatur. Auch vorsichtiges Aufstehen half nicht mehr. Ich musste ausklicken. Nach einer Minute fuhr ich dann bei 11% wieder an. Von weiteren Krämpfen wurde ich dann Gott sei Dank durch extrem vorsichtige Fahrweise verschont. Der nahende Tunnel läutete das Ende der Qualen ein. Nach ihm geht es nur noch gering Berg hoch. Gut einen Kilometer nach dem Tunnel, welcher behelfsmäßig mit Notstromaggregaten beleuchtet wurde, erreichte ich die Passhöhe vom Timmelsjoch. Schnell zog ich mir die Windweste wieder an, weil es mittlerweile einen Temperatursturz gegeben hatte. Ich bremste noch etwas verhalten die ersten Kehren an, um nicht auf den letzten Metern noch einen Sturz zu riskieren.
Nach den ersten 200hm setzte der Regen ein. Ich nahm noch so viel Speed wie möglich mit auf den Gegenanstieg. Trotz alledem musste ich heute auch noch die letzten 100hm bewältigen. Auch der nun einsetzende Monsunregen konnte nicht mehr verhindern, dass "mein Traum war wurde". Kurz vor der Mautstation öffneten sich alle Schleusen und es begann kräftig zu regnen. Bei einer kleinen "Gedenkpause" fragte ich mich, ob es klug gewesen ist, sich neben ein Verkehrsschild etwas exponiert in die Landschaft zu stellen, wo es doch gerade auf dem Berg blitze. Ich hatte nur noch einen Gedanken: Runter hier. Die meisten Fahrer machten es wie ich. Wir zogen etwa 100m die Bremse voll durch ohne auch nur irgendwie langsamer zu werden. Ich dachte an den Fahrer, welche im Feld großspurig von sein ach so tollen Carbonfelgen erzählte und wir er hier runter schleichen müsste. Carbonfelgen bremsen ja viel viel besser als das Alu-Pardon. Da ich die Abfahrt bereits im Juni gefahren bin, wusste ich, dass jetzt nicht weit nach unten war. Die letzten Kehren fuhr ich noch ganz in Ruhe. Auch unter der Prämisse, dass ich nicht derjenige sein wollte, den der an mir vorbeifahrende Krankenwaagen eben Besuchen fuhr. Zudem konnte ich eh auf den letzten 15km meine Zeitfahrqualitäten unter Beweis stellen. Und so überholte ich mit 52-12 mit 60 Sachen in der Regengicht noch zahllose Fahrer.
Beeindruckend war auf jeden Fall die Durchfahrt der Galerien. Mit 70 im Trockenen und dann wieder in die Nässe. Das ergab ein spektakuläres Bild. Eine 3m hohe Spray war bei meinem Vordermann zu sehen. Dazu dann dieses Geräusch von den vorbeiziehenden Galeriepfeilern. Einfach nur geil. Noch ein paar kleinere Serpentinen anbremsen und ab hinunter mit 70 Sachen nach Zwieselstein und vorbei an meinem Fanstand. Genügend Motivation aufgesammelt, trat ich die große Scheibe noch 20hm hinauf um dann endgültig nach Sölden hinab keinen einzigen Höhenmeter mehr zurücklegen zu müssen. Angefeuert von den Zuschauern schnappte ich mir 1km vor dem Ziel noch 3 Fahrer. Erschöpft, erleichtert aber gar nicht so richtig tot erreichte ich kurz nach halb sechs im Regen den Zielbereich des Ötztaler Radmarathons. Fazit: Nächstes Jahr bin ich mit etwas Losglück wieder dabei, aber mit unter 10 Stunden.
Ergebnis
2008 Marcus Platz 1907 (von 4000) mit 10:46:59
 
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