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Etappe 6: Bormio - Pejo Fontes
 
 
 
 
 
2700hm Auf dieser Etappe gibt es nur 2 Optionen. Bergauf und Berab. Das erste Hindernis nennt sich Gaviapass und lässt sich auf der wenig befahrenen Passstraße entspannt mit dem Mountainbike hochkurbeln. Schwieriger wird der Aufstieg zur Refugio Bozzi. Am Anfang Schotter, später steiler und grobes Gestein bis Geröll. Hier braucht man Biss.
40% Von der Refugio geht es noch einmal ca. 100hm über die Bergkante auf die andere Seite. Hier ist nur schieben möglich. Die 40% sind in Wahrheit bestimmt mehr.
25% Trail am Lago Pian Palu.
62km Für einen Etappentag dieses Formates ist die Streckenlänge vollkommen ausreichend.
extrem Die Trailabfahrt vom Lago Pian Palu kann zu den härtesten der Alpen gezählt werden. 2m hohe Drops sind möglich. Na wenn das mal das Fahrrad aushält. Bei Nässe nicht sehr zu empfehlen. Sehr rutschig. An einigen Stellen muss das Fahrrad getragen werden.
Straße, Schotter, Geröll, Fels, Trail Von Bormio geht es auf Asphalt bis auf den Gaviapass hinauf und auch wieder bergab. Zur Refugio Bozzi fährt man auf Schotter bis hinzu Geröll. Die Abfahrt zum Lago Pian Palu ist felsig. Je zum Teil aus Schotter, Waldboden und Steinen bestehend.
55€ 6€ Café Gavia Pass
14€ Abendessen
35€ Unterkunft mit Frühstück
6:00 Fast alles ist bergauf fahrbar. Bergab muss je nach Fahrkönnen etwas geschoben werden.
Pejo Fontes am 20. August 2007 Sind gerade rein und habe all meine Pflichten erledigt. So ein wenig Zeit um die Bein hochzulegen und die Füße zu entspannen. Heute war die wahre Königsetappe. Los ging es heute Morgen kurz nach neun in Bormio und gleich von Anfang an bergan Richtung Gavia Pass. Der Anstieg verlief sehr gleichmäßig mit durchschnittlichen 8%. Nach den letzten Tagen ein wahrer Genuss und Erholung. Jedoch wusste ich auch, dass es heute noch lang werden würde bzw. auch eventuell anstrengend.
Schon nach dem ersten Kilometer tat sich eine große Lücke zu Rico auf und auch der Vorsprung auf Torsten wuchs an. Naja ich hatte ja im Vorfeld schon immer vom Gaviapass geredet und das ich ihn hochfliegen werde. Also mussten ja auch Taten folgen. Immer wieder wechselte ich in den Wiegetritt um die Beinmuskulator zu entlasten und machte auch gut Meter dabei.
Zwischenzeitlich fuhren wir auch an Mountainbikern vorbei, wobei ich mich dann schon fragte, wie sie wohl noch die restlichen 25km den Berg hinauf kommen wöllten, wenn sie jetzt schon auf dem kleinen Blatt bzw. ich noch auf dem mittleren unterwegs war? Naja eigentlich auch egal. Später noch eine Gruppe mit nach Torsten`s Aussage attraktiven Frauen auch überholt. Schließlich noch die 2 Spezis von gestern überholt, welche keine Karte hatten. Rico überholte sie auch und meinte, dass sie recht fertig aussahen.
Nach endlosem Geschlängel am Berg entlang und dermaßen vielen, vor allem rücksichtslosen Busfahrern gingen dann endlich ab einem Skiort (Caterina) die Serpentinen los. Dort traf ich dann auch endlich mal auf einen würdigen Gegner, sprich keinen Eintagesrennradfahrer, sondern auf einen vermeintlichen Tourenfahrer. Irgendwie komisch war, dass ich schnell auf ihn aufschloss, aber sich später der Abstand nicht mehr verkürzte, als er mich sah. Als ich die 2. Serpentine sprich Kehre erfahren habe, sah ich dann auch mal wieder Torsten, der vermutlich ein wenig von dem Abstand zu mir abknabbern wollte. Als Zwischenziel hatte ich mir die 2000er Marke vorgenommen. Ohne HAC war es nun also ungefähr die untere Baumgrenze. Dort angekommen gab es ein Powergel und einen Corny. Schnell einen Trinkflaschenwechsel und FANTA 4 im Ohr und ich konnte wieder den Turbo zünden.
Man waren die Beine heute gut. Vermutlich durch den lockeren Tag gestern und die relativ lange Regenerationszeit. Nachdem noch ein Rennradfahrer an mir vorbeigeflogen war, mit dem ich wenigstens noch zwei Kehren mithalten konnte, war der Abstand auf Torsten nun immens. Nicht mehr zurückschauen. Aus den anfänglichen 25°C wurden dann auch schon fast gefühlte minusgrade. Die Berge bzw. die Anstiege wurden immer steiler und es blies uns ein eisiger Wind ins Gesicht.
Dann sah ich auch mal wieder den Tourenbiker, der dann aber scheinbar entkräftet von der Flucht nicht mehr die Power hatte, meinen dynamischen Antritt zu widerstehen. Aber es ging heute auch gut. Immer wieder konnte ich das Tempo verschärfen. Mittlerweile konnte ich auch auf dem 4 und 5 Ritzel fahren. Wahnsinn bei über 10% Steigung und fast 10000hm in den Beinen. Ein paar bekloppte Wohnwagenfahrer gab es natürlich auch mal wieder. Trotz dünner Luft, konnte ich ihnen wenigstens noch die Meinung sagen ;), als er vor mir warten musste. Torsten hatte ähnliche Erfahrungen mit demselben Spinner gemacht. Netterweise gab es dann noch als Dankeschön eine nette Dieselwolke.
Das Schild 4,5km motivierte mich dann so, dass ich es wagte auf der mittlere Kettenblatt zu schalten. Die Steigungen blieben unter 8% und ich nahm die letzten Meter richtig Fahrt auf. Dann ein Haus, aber kein Passschild. Leider schon zu früh die Arme zum Himmel gestreckt. Naja. Probe halt. 100hm sollten es noch sein. Aber bei dieser Triumphfahrt für das Team bikec.de war es ein Kinderspiel. Mit Schätzungsweise 25 Sachen rasse ich die letzten Meter zum Passschild entgegen. Nein, keine Hand dem Himmel. Gleich links weg auf den höchsten Fels, um die Aussicht zu genießen. Mit kaputten Lungenbläschen und daraus resultierenden Husten schaue ich auf die Uhr. 2:00:00 Geil! Und nächstes mal mit Rennrad 1:45:00. Torsten kam dann auch 10 Minuten später und wir setzten uns erst einmal in das Gasthaus zum aufwärmen.
Drinnen haben wir dann unseren persönlichen Ruhe- und Trockenraum bekommen. Schön gemütlich mit Kamin und herrlich warmen 25°C. Die Sachen schnell ausgezogen und zum trocknen auf gehangen. Es hat richtig gedampft. Eine heiße Schokolade getrunken und ein wenig was vom täglichen Lunchpaket aus der Mülltüte. Irgendwann nach einer Stunde kam dann Rico.
Die Abfahrt begann relativ gelassen auf der Giro Auffahrt. Der Asphalt war schlecht, die Straße eng, kurvig und immer sehr schlecht einzusehen. Nach ein paar Höhenmetern kam dann ein Tunnel. Ich dachte, naja, da wirst du schon was drinnen sehen. Nix da, niente, nichts. Es gab ungefähr so viel Licht wie in einem Grab. Also schnell Vollbremsungen und dann aus dem Tunnel raus gerannt, damit ich nicht von den nachfolgenden Autos totgefahren werde. Alternativ dazu ging neben dem Tunnel die alte Gaviapassstraße entlang. Steinig, kurvig und nahe dem Abgrund durch ein paar Seile gesichert. Angst hatten Rico und ich nur um Torsten seine Bremsen, welche er regelmäßig zum Überhitzen brachte, so dass sie regelrecht durch den thermischen Verzug knisterten. Ein bekanntes XTR Problem!
Wieder auf der neuen Straße zurück, schlängelt sich diese auf 3m Breite am Hang entlang Richtung Tal. Einem wird schon anders, wenn man einfach mal darüber nachdenkt, was man tun würde, wenn hier die Scheibe versagt. Um das Überhitzen von Torstens Scheibe zu verhindern, hielten wir auf der Hälfte der Strecke in 2000m Höhe erst einmal zum Pausieren in einer Kehre an. So richtig Kickten aber die entgegenkommenden Wohnwagen, an denen wir mit 50 Sachen mit 10cm links zum Spiegel und rechts mit dem Lenker über der Leitplanke vorbei schossen. Yeah!
Mit Highspeed ging es dann noch die restlichen Kilometer Richtung Pezzo. Von dort aus sollte es dann noch 1000hm Richtung der Hütte Refugio Bozzi gehen. Der Aufstieg war der Hammer. Im Schnitt ging es es mal wieder mit mehr als 10% der Berg/Pass hinauf. Am Anfang noch gut zu befahrende Straße, die dann ein grobsteiniger Weg wurde und schließlich in einer Geröllauffahrt Die letzten 500hm endeten. Egal was man tat. Beim Laufen taten wir die Füße weh und beim Fahren zwang einem die Steigung und der Untergrund auf das kleine Männchen im dem Ohr zu hören: "Du kennst keine Schmerzen."
Da wir gut in der Zeit lagen, hatten wir schon vorher beschlossen noch die restlichen Kilometer über den Pass zurückzulegen und zum See abzufahren. Der Schiebeteil fiel allen sichtbar schwer und Rico meinte nur so: "Krass ich mache halbe Kaffeebohnen!" Bei ca. 35-40% Steigung ist das auch normal, zumal ich normalerweise so etwas nicht einmal zu Fuß erklimmen würde. Oben angekommen gab es noch ein paar alte Wehranlagen aus dem ersten bzw. zweiten Weltkrieg. Der Anfang der Abfahrt war noch gut fahrbar. Als es aber zunehmend steiniger und steiler wurde, war mal wieder Schieben angesagt. Der einsetzende Dauerregen tat sein Übriges dazu. Rico störte das alles natürlich nicht im Geringsten: "Einfach nur geil" war sein Antwort darauf. Ab und zu traute ich mir dann auch mal Stück fahren zu. Aber für mich war es dann einfach zu rutschig und das ganze bei 50cm Wegbreite sowie 200m Abgrund.
Rico hat es dann auch noch hingepackt. Statt das Vorderrad hochzuziehen, hatte er versehentlich die Vorderradbremse gezogen. Er lag dann auf dem vor ihm befindlichen Fels. Die Abfahrt vom Stausee war schön. Starkregen und überströmte Straßen und 60 Sachen machen schon Spaß. Dank Scheibenbremse musste man auch bei Regen keine Abstriche bei der Bremsperfomance machen. Schließlich dampfe und zischte sie, wenn Regentropfen darauf kamen.
Das zweite Hotel nahm uns dann auch auf. Eigener Trockenraum und Garage für unsere Bikes. War für eine Gastfreundschaft. Nur auf der Straße wird man doof angeschaut, wenn man in kurz gezwungener Maßen bei 5°C Außentemperatur auf 1500m Höhe rumläuft und dazu noch Flip Flops mit Wollsocken an hat. Die Pizza hat trotzdem geschmeckt.
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