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Etappe 3: Konstanzer Hütte - Bodenalpe
 
 
 
 
 
2300hm Spätestens jetzt merkt man, ob man trainiert ist oder nicht. Der Anstieg zur Heilbroner Hütte verläuft angenehm mit auf 2000m, danach muss größtenteils geschoben werden. Ein kleiner Gegenanstieg zum Zainisjoch der nicht wirklich viel Kraft kostet. Der härteste Anstieg beginnt in Ischgl und endet am Zeblasjoch auf über 2600m. Die letzten 400hm sind praktisch nicht mehr fahrbar.
37% Die steilsten Rampen befinden sich auf der Auffahrt zum Zeblasjoch. Diese sind nicht mehr fahrbar.
50% Das Gefälle tauchte nur auf unserer Streckenführung auf, weil wir versehentlich eine schwarze Skipiste befahren haben. Für gute Downhiller kein Problem. Alle andere schieben in Anbetracht der halben Meter tiefen Wasserablaufrinnen alle 200m.
54km Strecke führte uns von der Konstanzer Hütte zur Bodenalpe. Wahrlich lang ist die Strecke nicht, aber die langen Schiebepassagen kosten Zeit.
schwer Der schwierigste Teil war die schwarze Skipiste. Ansonsten alles fahrbar.
Straße, Schotter, Trail Im Verwalltal längerer Schiebetrail. Ansonsten keine sehr anspruchsvollen oder gefährlichen Stellen. Größtenteils Schotter.
48€ 7€ Einkauf Ischgl
41€ Unterkunft Bodenalpe mit Frühstück und Abendessen
6:00 Start war kurz nach 8:00 und Ankunft so ca. wieder 18:00.
Konstanzer Hütte, 17. August 2007 Draußen sind es gefühlte 5°C und die Sachen sind natürlich wie erwartet nicht trocken geworden. Somit geht es heute mit nasser Hose, Trikot und Handschuhen auf eine von 2 Königsetappen. In den Bergen befinden sich dicke Nebelschwaden und Schnee ist auch angesagt. Zudem geht es heute auf 2700m. Das Dach der Tour. Die Beine fühlen sich heute Morgen immer noch nicht gut an und der Achillessehnenbereich fühlt sich auch etwas verkrampft an. Ein paar Wehwehchen wie Blasen naja. Hauptsache ich komme heute über die Berge. Insgesamt war die Unterkunft recht gemütlich, aber auch sehr spartanisch und kalt. Die Leute waren aufgeschlossen und nett, auch wenn man sie nicht immer versteht.
Verwalltal, 17. August 2007 Torsten und Rico brauchen noch ein wenig, und ich nutze die Zeit, um ein paar Zeilen zu schreiben. Es sind lausige 6°C, aber es regnet mal zur Abwechslung nicht. Rico kommt auch gleich und dann geht es weiter, bevor ich hier total unterkühle auf diesem kalten Stein, auf dem ich gerade sitze. Wir sind jetzt hier auf einer Höhe von 2000m. Der Weg endet gerade und weiter geht es auf einem Trail.
Oberischgl, 17. August 2007
Kommentar Torsten: "Heute Abend fühle ich mich wie ein Mann" "und morgen früh wie ein Häufchen Elend."
Ich sitze vor einer Minikirche unter einem Verschlag mit gemütlicher Holzbank. Der Anstieg aus Ischgl war der Hammer. Durchschnittlich 13% Steigung mit Spitzen von 25%. Wir schlängeln uns also die Rampen hinauf. Theoretisch könnte man an dieser Stelle in einer halben Stunde an der Bodenalpe sein. Nein wir wollen noch mal 1000hm am Stück bergauf fahren. So ich werde jetzt auch mal was essen. Vor allem Powergel, damit ich das überhaupt überlebe.
Kommentar Rico: "Ich musste vorhin mal kurz anhalten, damit ich die Pupse kontrolliert an der Wurst vorbei bekomme."
Irgendwo am 17. August 2007 Konditionell geht es gut, nur kräftemäßig sieht es schlecht aus. Bin jetzt hier mit Torsten auf über 2600m Höhe und es gibt nichts außer Steine, Dreck und Nebel. Die Strecke ist schon seit vielen Kilometern nicht mehr fahrbar und so schieben wir mit durchschnittlich 17% den Berg hinauf. Aber in 100hm ist das Dach der Tour erreicht. Selbst das Schieben fällt bei über 35% schwer. So Torsten will weiter.
Bodenalpe, am 17. August 2007 Der Tag war im Resümee wirklich eine Königsetappe. Starker Regen blieb uns erspart. Dafür aber lediglich 50m Sicht. Und wenn man 1500hm am Stück fährt, dann hofft man wenigstens auf eine schöne Aussicht.
Start war heute auf der Konstanzer Hütte bei lausigen 6°C und Nieselregen. Von Beginn an sammelten wir Höhenmeter im Verwalltal. Bis auf 2000m führte ein gut befahrbarer Schotterweg aus dem dann später ein Trail mit Steinen und Match wurde. Dieser zog sich dann noch bis auf 2100m hinauf. Fahren war wieder einmal nicht mehr möglich bzw. sinnvoll. Einen schmalen Weg ging es dann bis fast zur Heilbronner Hütte. Zwischenzeitlich wurde es auch immer kälter und nebliger. Merkbar war auch die deutlich dünner werdende Luft, so das das Tragen anstrengend wurde. Oben auf der Heilbronner Hütte angekommen, gab es erst Mal einen kleinen Snack.
Kommentar Torsten: "Bim Bam" Torsten zum Thema Kuhglocken
Die anschließende Abfahrt auf der eigentlich nicht befahrenen Schotterstraße wurde dann so kalt, dass sich die Helmuntermütze durchaus rentiert hatte. Es waren noch warme 4°C mit Nieselregen. Danach gab es noch eine Highspeed Serpentinen Schotterabfahrt.
Die Auffahrt zum Zainisjoch war sehr verblockt, theoretisch fahrbar, aber dadurch sehr kräftezehrend. Also die zweite Trage- und Schiebepassage und es sollte nicht die letzte sein. Einzigst die Spitzen Steinen machten meinem Nobby Nic etwas Angst aufgeschlitzt zu werden. Nach 100hm ging es eigentlich bis Galtür nur bergab. Die Abfahrt war na klar für Rico 100% fahrbar. Torsten und ich begnügten uns mit 60-70% fahren. Fahrtechnisch und psychologisch war der Trail schon fordernd. Aber wie heißt es so schön. Einfach rollen lassen und seinen Horizont erweitern. Man glaubt gar nicht, was man doch alles fahren kann, wenn man sich in den Kopf gesetzt hat, zu fahren. Die Weiterfahrt aus Galtür nach Ischgl schlängelte sich rechts an einem Fluss entlang, so dass der Eindruck entstand, man würde durch den Rabenauer Grund fahren. Noch ein paar kleine Höhenmeter über ein paar Hügel und dann runter ins Zentrum von Ischgl. Dort erst einmal ins Billa Essen kaufen. Eine kleine anschließende Pause vor der warmen Abluft einer Elektroanlage.
300hm weiter unter einem kleinen Verschlag erst einmal Kräfte sammeln, nach dem es bis hier her schon durchschnittlich mit 12-13% bergan ging. Beratschlagend, dass es jetzt noch 1200hm bergauf gehen sollte, und Torsten nicht so richtig glauben wollte, dass es maximal noch steiler werden sollte, als ich ihm die Serpentinen zeigte. Naja die Auffahrt war eine absolute Qual und mir tropften selbst bei lächerlichen 7°C die Schweißperlen von der Stirn. In meinem Ohr immer das kleine Männchen, was ständig "keine Schmerzen, du kennst keine Schmerzen", sagte.
Der Steigungsmesser zeigte unbeeindruckt von der nicht vorhandenen Aussicht permanent Steigungen jenseits der 15-20% an. Irgendwie wurde es selbst mir als bergliebender Fahrer zu viel und ich strich die Segel und schob mal zur Abwechslung mein Fahrrad. Ausnahmslos jede Seilbahnstation haben wir auf diesem weg mitgenommen. Irgendwann kurz vor der Bergstation ging es rechts noch einmal 100hm bergab, bis Rico feststellte, dass er noch einmal extra Höhenmeter fahren möchte, um seine Brille zu holen. Torsten und ich, sind dann vorneweg gefahren. Bis auf 2200m konnte man noch fahren. Danach began die Zeit des Leidens und Schiebens. Denn selbst Jan Ullrich hätte beim bloßen Anblick der 30% Rampen verteilt auf die kilometerlangen 15% Anstiege sein Rennrad freiwillig verlassen. Konditionell und mit dieser Übersetzung war es einfach nicht mehr fahrbar. Und sind wir mal ehrlich: Mehr als die 3km/h geschoben, wären es auf dem Sattel auch nicht geworden.
Irgendwann dann endlich auf 2740m Höhe angekommen, gab es nur noch eins reichlich, und das war Kälte und Luftfeuchtigkeit. Kein Ausblick. Niente. Einzigst der Abgrund, den man auf der Abfahrt nicht sehen konnte, löste einen kleine Adrenalinstoß aus.
100hm später gab es fälschlicherweise die Entscheidung die Schwarze Skipiste hinab zu fahren. Naja Schieben war wieder für Torsten und mich angesagt. Auf halber Strecke schloss dann Rico fahrend auf uns auf. Die Gefälleanzeige macht gerade bei 45% halt. Nach 300hm und endlos steil, schlammig und rutschig ging es dann in Richtung des eigentlichen Weges. Krasse 36% bin ich dann auch noch hinter Rico durch den tiefen Schlamm hinterher gefegt, wobei es eher beten war, was mich auf dem Weg hielt. Zwischenzeitlich die Hauptstrecke verlassend, hatte ich schon fest mit einem Sturz gerechnet. Aber es war einfach nur geil und ich voller Kuhdreck und Schlamm am ganzen Körper.
Die restlichen Höhenmeter bis zur Bodenalpe ging es im Formationsflug die Schotterpiste hinunter, wobei Geröll eher die richtige Bezeichnung gewesen wäre. Mit Geschwindigkeiten jenseits der Vernunft ging es ins Tal. Ein paar kleinere Sprünge und ein Quersteher. Aber alle heile und gesund. Die Bodenalpe ist ein sehr schöner Gasthof und eine niedliche österreichische Bedienung gab es noch dazu. Hier kocht die Oma übrigens noch selbst. So ich muss jetzt hoch Wäsche waschen und Zeug für morgen packen. Anschließend gibt es noch ein Briefing.
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