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Salzkammergut Trophy '11
 
 
 
 
 
Das wohl geilste und härteste Rennen des Jahres liegt nun hinter uns. Es war wie auch schon letztes eine Weltklasse-Veranstaltung, wo echt alles gepasst hat. Sogar das Wetter hat mitgespielt, auch wenn es am Salzberg wieder richtig heiß geworden ist. Nachdem Torsten und ich dieses Jahr nur auf Ankommen gefahren sind, wird nächstes oder übernächstes Jahr ohne den ganzen technischen Trödel richtig attackiert. Dann wird die Top30 in der Gesamtwertung angepeilt :)
Teaser Filmprojekt
daten
7000hm Es sind einfach krankhaft viele Höhenmeter. Man kann sich eigentlich gar nicht so richtig festlegen, welcher Anstieg nun am meisten schmerzt ... Sind es die ersten 850hm am Stück, der Salzberg mit seiner unerbitterlichen Steigung oder sind es die letzten 400hm, wenn man schon fast klinisch tot ist?!
35% Die maximale Steigung von über 35% wird im oberen Abschnitt des Anstieges zum Salzberg erreicht. Es gab Fahrer die sind hier gefahren, während ich Kaffeebohnen gelaufen bin. Leider sind sie danach komplett weggebrochen. Aber meinen absoluten Respekt für diese Leistung nach über 5000hm dort hochzufahren (und zwar komplett).
34% Dieses Gefälle wurde bei mir angezeigt. Da ich aber aufgrund meiner fahrtechnischen Unzulänglichkeiten nicht alle Trails komplett fahren konnte, kann es gut sein, dass es noch steilere Abschnitte gab.
220km Die angegebenen 211km stimmten wieder mal nicht. Sei es drum. Die Strecke ist ein Traum für Mountainbiker. Wenn man dann auch noch Kaiserwetter hat, ja dann sollte man am Hallstätter See lieben baden gehen ;)
S2-S3 Im Grund genommen gibt es 3 schwierige Abfahrten: Die erste ist eine Skipiste, welche mehr oder minder direkt nach unten führt. Schwierig ist eigentlich nur das Gefälle und der grobe/holprige Untergrund. Die zweite meiner Meinung nach schwierigste und gefährlichste Abfahrt befindet sich im Downhill von der Tauernkreuzung Richtung Perneck. Sehr sehr rutschiger grober Fels mit tiefen Querrinnen und ordentlichen Gefälle. Das Highlight für Downhillfetischisten folgt nach über 120km bei der Abfahrt von Hochmuth, wobei es sich um einen Wanderpfad mit engen Kehren, Handtuchbreite und sehr groben Untergrund handelt. Hut ab, wer das komplett!! fährt.
erlebnisbericht marcus
Manchmal fehlen einem die Worte um zu beschreiben, was vor gut 2 Tagen an einem sonnigen Samstag im in der traumhaften österreichischen Alpenregion rund um das Salzkammergut zu unserer persönlichen Geschichte wurde. Ein Traum der Realität wurde. Noch vor gut 3 Jahren, als ich erstmals wirklich einen Gedanken daran verschwendete auf der langen Strecke der Salzkammergut-Trophy zu starten, erschient diese Mountainbike-Extremrennen als so surreal für mich, wie der Gewinn des Ötztaler-Radmarathons. Jahre später standen wir am Start des wohl härtesten Mountainbike-Rennens Europas. Die nackten Zahlen erzeugen Ehrfurcht beim Betrachter: 220km und 7000hm auf feinsten MTB-Wegen. Nicht zu vergleichen mit den Waldautobahnen zum Beispiel bei der Zillertal-Challenge oder den einfachen Downhills der MadEast. Nein nein. Hier ist für jeden Geschmack etwas dabei: Von 40% Steigung auf Asphalt, über 40% Gefälle auf Skipisten bis hin zu absturzgefährdeten Bereichen auf 1m breiten Wegen im Renntempo über nassen Kalkstein. Im Hinblick nicht nur auf die konditionell äußerst anspruchsvolle Strecke und die S3-Trails nach gut 150km ist jeder, der hier finisht ein absolut kranker Typ. Fernab von Platzierungen fährt hier jeden sein Rennen. Gegen sich selbst. Ob nun 10,5h oder 16h - im Ziel werden auch die letzten Finisher mit gebührendem Applaus und Ehre empfangen.
Nach nun 4 Tagen lasse ich für mich die Ereignisse Revue passieren ... Die vorangegangene Woche verlief für die Rennvorbereitung suboptimal. Mittwoch und Donnerstag konnte ich aufgrund einiger dienstlicher Termine leider keine Warm-Up-Runde fahren, was eigentlich nach den beiden letzten Wochenende mit Etappenrennen Pflicht gewesen wäre. Somit blieb es bei 5 Tage Nichtstun und hoffen, dass sich dies nicht negativ auf meine Bergaufperformance auswirkt. So starteten Basti und ich mehr oder weniger pünktlich am Freitagmorgen um 7 Uhr sehr entspannt in Richtung Bad Goisern. Die Fahrt war aufgrund der weniger gewohnten niedrigen Reisegeschwindigkeiten und leeren Autobahnen eine reinste Entspannungsorgie. Nach Meinung unserer Freundinnen tut uns die lange Zeit zu zweit nicht gut, da man Pläne schmiedet, welche sich des Öfteren ja um das Thema Radfahren drehen. So kam dann auch die Idee auf, man könnte ja die Top20 bei der nächsten Transalp im Jahr 2012 anpeilen. Wieder so ein krankes Unterfanges dachte ich mir ...
Gechillt, relaxt und mit genug Motivation im Gepäck rollten wir gegen 13 Uhr auf dem Camper in Bad Goisern ein. Wie immer war die Unterbringung mit 8€ pro Nase und Nacht ein wahres Schnäpperle. Keine 5 Minuten vergingen und der Herr Blähnert (Name geändert) rückte mit an. Flux wurden die zwei Zelte aufgebaut und die Bettenlager eingerichtet. Je nach Fahrzeit viel dann auch die Dicke der "Betten" aus: 3cm für Basti, 8cm für mich und ungelogen 15cm für Torsten.
Im Anschluss ging es zum Start-Ziel-Bereich und zur Abholung der Startunterlagen. So langsam wurde mir dann auch klar, dass ich morgen früh um 4 Uhr aufstehen müsste. Mmmh. So richtig hatte ich das noch nicht gecheckt. Die beim Supermarkteinkauf erworbene Kakaomilch mundete Torsten so gar nicht, so dass er diese lieber das Behältnis seiner Milch am 1000l Kanister mit super verdünnten Powerbar-Isodrink auffüllte und den Kakao den Ameisen von Bad Goisern spendierte. Während Basti und Torsten ihre Sauforgie von chemisch angereicherte Gemischen feierten, begann, wie überhaupt nicht im Wetterbericht angekündet, ein länger anhaltender Niederschlag und die Laune auf eine Warmup-Runde sank tiefer, als die Wolken, welche in den Bergen festhangen.
Die Kullerrunde viel dann auch entsprechend kurz aus, so dass wir nur den ersten kleine Asphaltanstieg hinauf fuhren und die Kohlenhydratspeicher dann mit einem ausgedehnten Abendbrotessen in der Innenstadt wieder auffüllen wollte. Die Nudeln vom Mittag haben leider niemanden geschmeckt, was ich gar nicht verstehen konnte. Sie waren doch nur ganz leicht angebrannt. Merke: Der neue Brenner hat zu viel Dampf. Nächstes Mal doch lieber mit Gas ;) Die angeblichen Woknudeln mit Gemüse entpuppten sich dann eher als eine Frosta-Fertigmischung mit einer breiigen, bräunlichen Konsistenz und geschmacklichen Unstimmigkeiten zwischen Frische oder zerkocht.
Die Nacht wurde dann pünktlich um 21 Uhr eingeläutet. Erstaunlicherweise konnte ich sofort einschlafen und wurde erst um 24 Uhr wieder wach. Danach leider aber einstündlich immer wieder. Irgendwann war es dann kurz vor 4 und zum Schlafen hatte ich keine Lust mehr. Also schnell die Haferflocken mit der nun schon sauer gewordenen Milch angerührt und ab auf die Hütten ;) Die in der Zwischenzeit durchgeweichten Haferflocken waren ungenießbar und so musste ich leider nüchtern starten. Verdammt. War aber auch nix Neues für mich. Nach Abschluss des obligatorischen zweiten Toilettenganges starteten Torsten und ich 10 min vor dem Startschuss in den Startbereich. Meinen Autoschlüssel behielt ich auch während des um 5 Uhr erfolgten Startes in der Hand, ohne dass ich Basti ausfindig machen konnte. So ein Mist. Nun kann er nicht starten, dachte ich mir. Aber vielleicht ist er einfach in 2 Stunden wieder in Bad Goisern, wenn wir auf die zweite Schleifen gehen ...
Der Start verlief wie erwartet sehr langsam und gemächlich. Nach dem ich durch meine Bummelfahrt auf der Suche nach Basti fast ganz nach hinten durchgereicht wurde, überholte ich erst einmal wieder gut 100 Fahrer und schloss nach einiger Zeit wieder auf Torsten auf. Die ersten hundert Höhenmeter gingen zügig rum und ich beschloss den leeren Akku meiner Cam zu wechseln. Welch eine gigantische Vorbereitung dachte ich mich. Das ganze kostete mich dann gute 5min und da kam Torsten auch schon wieder. Wir fuhren ein wenig zusammen, bis ich mich dann bis zum Ziel verabschiedete. Am eigentlich fahrbaren Schiebestück hinauf zum Raschberg kam dann auch noch Lutz Herrman von Bike Passion an mir vorbei und ich dachte mir so: "Bin ich wirklich so langsam gefahren ;)". Einen Kommentar konnte sich Lutz natürlich nicht verkneifen. Die erste kleine Abfahrt nutze ich, um mich etwas warm zu fahren und den steifen Körper in den Kurven etwas zu lockern. Einige Fahrer fuhren hier leider schon Standgas herunter, worüber ich schon sehr verwundert war. An den Anstieg zur Hütteneckalm kann ich mich nicht mehr erinnern. Es waren einfach zu viele Uphills ;) Auf der Abfahrt dann wieder das gleiche Bild: Alle schieben. Warum bloß? Der sich anschließende erste Downhill zur ewigen Wand glich dann einem Hindernissparcour. Die Strecke war noch gut nass - von den Regenschauern aus der Nacht - so dass ich mich doch sehr schwer tat, permanent nur am Limit zu überholen, was ja auch nach gut 1,5 Stunden noch gar keinen Sinn machte. Die ewige Wand hingegen ist in der Dämmerung schon ein Erlebnis. Gott sei Dank brannten zu diesem Zeitpunkt noch die Lampen im zweiten Tunnel ... Über ein paar kleine Singletrails und Schotterautobahnen ging weiter hinab nach Lauffen - bekannt durch die unrhythmischen Treppen hinab zum Fluss. Leider war ich vermutlich so weit hinten im Feld, dass hier jeder ohne Ausnahme schob. Ich brüllte dann aus lauterFrust den vor mir fahrenden Fahrer an, so dass dieser gefühlte 3 Stufen pro Schritt übersprungen ist :D
Über den Waldgraben und die Blaa Alm ging es zur Tauernkreuzung hinauf. Mit Recht berichteten einige Fahrer schon von der schwierigsten bzw. gefährlichsten Abfahrt. Am Anfang noch gut fahrbar, aber schon mit Fangnetzen gesichert, geht es auf einem 1m breiten Sims auf einem ruppigen Trail entlang. Schlimmer wurde es dann aufgrund der Nässe weiter unten. Sehr grober Fels, Gestein und vor allem die Nässe machten das Fahren wieder zu einem Lotteriespiel. Ich entschied nach gut 200m heute nicht weiter Lotto zu spielen und schob die restlichen 500m lieber hinab. 2 Fahrer stürzten dann auch gleich noch hinter mir, taten sich aber nix weiter. Kann man aber eigentlich fahren. Nun gut.
Es folgte das zweite Mal Hütteneckalm. Jetzt kamen die B-Fahrer. Ui dachte ich. Die sind noch frisch und können einen gut bergauf ziehen. Pustekuchen. Um den Zuschauern und Fotografen ein bisschen Show zu bieten überholte ich gleich 10 Fahrer auf dem kleinen Bergauftrail. Frenetisch angefeuert von den Zuschauern hatte ich wohl etwas zu sehr die Oberschenkelmuskulatur beansprucht, welche dies dann auch gleich mit den ersten Anzeichen von Krämpfen signalisierte. Aber, ich war der Erste in der Abfahrt. Leider nur für 1min, bis ich wieder an gleicher Stelle im Stau am ersten Trail feststeckte. Gleiches Prozedere wieder beim Downhill zur ewigen Wand. Diesmal konnte ich mich beim Überholen einiger Fahrer an der ewigen Wand auch noch gut in Pose setzen ;) Der zweite Tunnel war dann leider nicht mehr ausreichend beleuchtet. Ich dachte erst, dass ich die Sonnenbrille noch auf hätte. Dem war aber nicht so. Einen gefühlten Augenblick später rastete ich in das Bike einer vorausfahrende Dame (Alter: unbekannt) ein. Meinen Unmut darüber äußerte ich wie folgt: "Einfach fahren. Einfach fahren." Im Nachhinein versteht man es ja, wenn man den Tunnel nicht kennt und auch nix sieht. Im Downhill nach Lauffen konnte mein GoPro-Kamerahalterung den Biegemomenten und Kraftspitzen nicht mehr standhalten. Sie brach zum dritten Mal. Wieder 2 min Demontagezeit und alle zuvor überholten B-Streckenfahrer waren nun wieder vor mir.
Das persönliche Highlight gelang mir beim Versuch 2 lächerliche Stufen hinab zu fahren. Aus bisher unerklärlichen Gründen blieb ich mit meinem Vorderrad stecken (zu langsam war ich jedenfalls nicht) und überschlug mich. Ich konnte mich am Geländer festhalten und mir passierte überhaupt nichts. Das Bike jedoch flog zwischen zwei Bäumen hindurch in den Haltstätter See. Was für ein Anblick. Mein Bike trieb auf dem Hallstätter See bei besten Kaiserwetter und spiegelnder Sonne im Wasser. Carbonbikes schwimmen. Jetzt war es amtlich. Nach kurzer geistiger Abwesenheit und Abklärung der Wassertiefe durch einen geschulten Blick, sprang ich meinem Bike die Böschung hinab hinterher. Wieder herauszukommen war allerdings nicht mehr ganz so einfach. Die nachfolgenden Fahrer hatten doch einige Fragezeichen im Gesicht, als ich wieder aus dem See kletterte. Leider fiel dem fahrtechnischen Leckerbissen meine zweite Trinkflasche zum Opfer. Die Startnummer hing fortan nur noch am unteren Kabelbinder und erzeugte ein sohrendes Geräusch am Vorderrad. Den ersten Gedanken die Startnummer abzureißen verwarf ich dann auch schnell wieder, da ich sonst ja keine Chance hatte eingewiesen zu werden, was sich ein paar Minuten später als goldrichtige Entscheidung herausstellte. Denn die Schreie und Rufe galten nicht meinem Windschattenanhänger, sondern mir ;)
Der gestaffelte Anstieg zur Hochmuth bescherte mir den ernsten kleineren Hänger nach gut 4000hm. Ich wurde von einigen Fahrer überholt und ich konnte einfach keine Leistung mehr abrufen. Ich fuhr ziemlich langsam bis zur nächsten Verpflegungsstation und entschied mich dann endgültig auf Cola umzusteigen. Der zweite Abschnitt des Uphills zur Hochmuth verlief schleppend und ich kam nicht in die Gänge. Es war wieder sehr steil und mit meinem Übergewicht nicht zu vereinbaren. Auf den ersten Meter des Downhills freute ich mich, dass es wieder ein wenig technischer wurde und ich somit Ablenkung bekam. Der winzig kleine Gegenanstieg im verblockten Gelände zwang mich dann aber zum Absteigen. Das wieder Aufsteigen lohnte sich dann aber auch wiederum nicht. Kurz gesagt. S2-S3 Trail. Verblockt, eng und steil. Viele haben geschoben. Einige sind gefahren. Respekt. Gefühlt war hier das Rennen eigentlich vorbei. Aber: Ich war erst gut 125km gefahren. Es sollten noch über 90km folgen.
Entgegen aller Befürchtungen verlief die Flachetappe ohne größere Anstrengungen, auch wenn ich die D-Fahrer nicht halten konnte. Die größte Qual auf diesem Streckenabschnitt entlang des Hallstätter Sees bestand wohl darin bei bestem Kaiserwetter und gut 28°C den Menschen beim Baden zu zusehen und zu wissen, dass gleich der Scharfrichter auf einen wartet: Der Salzberg. Mythen und Mysterien ranken sich über diesen Berg. Nein ganz so ist es nun nicht, aber es ist ein brutaler und unbarmherziger Uphill. Bei heißen Wetter brechen hier die Biker reihenweise zusammen. In den ersten 300hm fährst du am konditionellen Limit nach schon 5000 gefahrenen Höhenmeter. Die nächsten 300hm bist du dem Zusammenbruch nahe. Beginnen tut das Drama auf einer 25% steilen Wiese. Wer noch Körner hat fährt. 70% schieben hier schon. Danach beginnt es mit sanften 20% auf Asphalt und endet mit über 40% und Kaffeebohnen beim Schieben. Ausnahmebiker fahren hier immer noch. Aber die Zahl derer möchte ich auf lediglich 5% beziffern, wobei davon 50% in den nächsten Bergen kein Land mehr sehen. Irgendwie habe ich mich da hoch gequält, aber schnell konnte man das wahrlich nicht mehr nennen, wenn man 3km/h schiebt.
Am Anstieg zur Roßalm war dann bei mir endgültig der Ofen aus. Ich hatte zu wenig Energie zu mir genommen, weil ich nicht nur Cola trinken wollte. Zu allem Überfluss war diese leider auch noch verdünnt. Scheiß drauf: COLA!!! Der Motor sprang langsam wieder an. Ich konnte Abstände zu vorausfahrenden Bikern verringern und wieder überholen. Super. Die dritte Lunge war da. Doch wie ich bereits befürchtet hatte, kostete mich diese Energieleistung am letzten längeren Anstieg das letzte Bisschen Muskel. Ich hatte Krämpfe. Überall. Ob Kniekehle, Beinbeuger, Beinstrecke oder bei Muskeln deren Namen ich nicht mal kenne (links oberhalb der rechten Kniescheibe?). Dehnen zwecklos. Wie sollte ich denn dehnen, wenn es vorne und hinten im Oberschenkel zieht ... Ich verlor immer wieder Zeit beim Rumstehen im Wald und das Ziel von 13h war somit nicht mehr realisierbar. Aber das war mir in diesem Moment doch denkbar egal.
Es folgten die letzten 20km. Ich suchte mir bis zum dritt vorletzen Anstieg das Hinterrad eines weiteren A-Streckenfahrers und wir wechselten uns noch gut ab. Bei mir waren aber sowas von die Lichter aus, dass ich am letzten Anstieg doch nochmal anhalten musste, um mir ein Gel aus dem Rucksack zu greifen. Die letzten 200hm gesamt und ein paar kleine Abfahrten verliefen völlig ereignislos und wir rollten in einer 3 Mann-Gruppe zur letzten Schikane - zum dritten Mal an diesem Tag - und das erste Mal, dass ich sie fahrend bewältigen durfte, ohne dass jemand vor mir geschoben hat. Leider misslang der 3hm Kletteraufstieg und beide Oberschenkel krampften. Die Gruppe war weg. Nach gut 2min bestieg ich wieder das Bike und rollte ganz langsam los, erhöhte immer weiter das Tempo. Ganz langsam. Noch wenige 100m zum Ziel. Endspurt: 42-11 und Anschlag. Alles was ging in den Zielbereich. Der letzte Berg. Die letzten Treppen. Zieleinlauf. Ein Fahrer überholt mich. Scheiße. Schon 10m vorne. Voller Antritt. Die Beine am Limit und Krämpfe. Ziellinie: zeitgleich. Geil! Wir sind schon da? Das war's schon. Basti steht geduscht vor mir. Es konnte fahren. Das Auto war offen.
So richtig erschöpft war ich eigentlich gar nicht. Dem Adrenalin sei Dank. Der erste Gedanke: nie wieder. Dem Hähnchenstand im Anschluss konnte ich nicht mehr ausweichen. Wir chillten auf der Wiese ab und genossen die Stimmung. Torsten sollte ja sicherlich auch bald kommen. Nach 30min ging ich zum Duschen und warteten dann weiter auf Torsten im Zielbereich. Er kam und kam nicht. Es ist kurz vor 9. Wo ist Torsten. Auf dem Weg zum Zelt trafen wir ihn dann. Fertig geduscht und relaxet. Er war schon 1 Stunde da. Wir müssen uns also um ein paar Minuten verpasst haben. Den Abend ließen wir bei Bier und Pizza gemütlich ausklingen, bis dann um 22 Uhr endgültig die Jalousien zu gingen. Fazit: Perfekte Orga. Traumwetter. Mittelmäßige Leistung. Nächstes Mal unter 12:30h.
Rennbericht vom torsten
Morgens 4 Uhr auf dem Zeltplatz in Bad Goisern beginnt der Tag der Wahrheit. Die Schnapsidee, die mir im Dezember bei reichlich langer Weile und wahrscheinlich unter Sauerstoffmangel im Hirn beim Spinning gekommen war, sollte heuer in die Tat umgesetzt werden. Die Teilnahme auf der langen Strecke der Salzkammergut Trophy stand auf dem Programm. Letztes Jahr nach dem Zieleinlauf der „kurzen“ B-Strecke hatte ich das noch kategorisch abgelehnt bzw. als nicht realisierbares Unterfangen eingeschätzt. Die Nacht war dank meines luftgefüllten Himmelbetts überraschend komfortabel und erholsam, so dass ich doch recht ausgeschlafen das unbedingt notwendige Frühstück zu mir nehmen konnte. Die Zwangsfütterung mit ekligem Haferschleim und Powerbar war dann aber doch nur bedingt angenehm.
Recht knapp bemessen 10 Minuten vor dem Startschuss rollten wir im Halbdunkel in die Startaufstellung. MP3-Player an und nochmal den mentalen Fokus auf die kommenden Strapazen gerichtet. Meine persönliche Motivation: Wenn ich heute finishe, kann ich wiederkommen. Wenn ich heute scheitere, muss ich wiederkommen. Deshalb lautete die vorgegeben Marschroute „Egal was kommt, bloß nicht ans Aufgeben denken und bei ausreichend Puffer zur Karenzzeit notfalls auch auf allen Vieren ins Ziel kriechen“.
Der Start mit knapp 600 anderen Bekloppten war doch von einem relativ hohen Tempo geprägt und ich verfolgte auf dem ersten Asphaltanstieg ein paar bekannte Gesichter von der Mad East Challenge. In den anschließenden steilen Schotterrampen stand dann erst mal Slow Motion-Wertung auf dem Programm. Getreu dem Motto „Wer schafft es am langsamsten hochzufahren, ohne umzukippen“. Nach überwiegend schiebender Überwindung einer schlammigen Passage ging es die letzten Höhenmeter Richtung Raschberg auf eine Schotterstraße. Schon verrückt, was für Streiche einem die Erinnerung so spielt. Ich hatte mich eigentlich auf mittleres Kettenblatt eingestellt. Es war dann aber doch quälend steil. In einer Kehre traf ich auf den mit Akkuwechsel beschäftigten Marcus (nein nicht am Elektroantrieb, sondern an seiner Kamera;-) und freute mich über ein paar gemeinsame Minuten. In der folgenden einfachen Abfahrt zur ersten Verpflegungsstation zeigte sich dann zum ersten Mal die Sonne in voller Pracht. Verdammt! Nachts um 4 Uhr hatte ich natürlich nicht an Sonnencreme gedacht und ich beglückwünschte mich schon vorab zu dem bevorstehenden Sonnenbrand. Trotz der ersten Sonnenstrahlen war es noch recht kühl und einige andere Fahrer machten sich Gedanken über meine luftige Kleidung. Ich konnte sie aber damit beruhigen, dass ich es aufgrund der gewohnten Schneefälle während der Zillertal Bike Challenge gerade kuschelig warm fand.
Die erste Abfahrt durch die Ewige Wand nach Lauffen war etwas kniffliger als letztes Jahr, da sich heute die Trails durch die vorangegangenen Regenschauer der letzten Tage allgemein sehr rutschig präsentierten. Die ersten Fahrer mussten hier leider auch schon schmerzlich Bodenkontakt aufnehmen. Nicht gerade optimal, wenn einem noch der Großteil der Strapazen bevorsteht. Anschließend folgte der unbekannte Teil der Strecke, der sich insbesondere fahrtechnisch nochmal deutlich von der bekannten B-Strecke absetzen sollte. Konditionell lief es jetzt sehr gut und ich konnte mich ordentlich im Klassement nach vorne schieben. Die Strecke führte fast durchgehend über steile Uphills und teils für Marathonverhältnisse abenteuerliche Downhills, wie z.B. die ausgewaschene Skipiste nach der Blaa Alm. Nach der Durchfahrung der Tauernkreuzung dann die vielleicht gefährlichste, mit Fangnetzen gesicherte Abfahrt auf extrem glatten Felsgestein. Irgendwo sprang mir hier die Kette ab und ich entschied mich sicherheitshalber dazu, bis zum Ende des Trails zu wandern. Dank Raceschuhen mit Carbonsohle auch nicht wirklich angenehmer als Fahren. Nur die Fallhöhe ist beim Schieben geringer. Erneut verlief die Strecke bei jetzt glühender Hitze und anfänglich über schlammige Schiebepassagen hinauf zur Hütteneckalm mit anschließendem Trail durch die markante Ewige Wand. Der Oberkörper zwickte hier doch schon an der einen oder anderen Stelle. Insbesondere die Handballen brannten und es fiel mir nicht leicht das Bike noch halbwegs kontrolliert durch den Trail zu zirkeln. Im unteren Bereich der Abfahrt wurden dann die Fahrer der 37 km langen E-Strecke eingeleitet und es wurde etwas hektischer auf der Strecke. Entkräftet entschied ich mich vor einem kleinen Absatz kurz vom Bike zu springen, was einer der Kurzstreckenpiloten zum Anlass nahm mich mit den Worten „ Ja, was wird das denn jetzt hier, Kunde!“ zu begrüßen. Mein Puls ging schlagartig auf 180 und der Typ konnte von Glück reden, dass ich es bei einer verbalen Auseinandersetzung beließ. In Lauffen entschied er sich dann, die Treppen zu Fuß zu bewältigen, während ich fuhr. So eine Luftpumpe! Da ich nun mal schnell zu cholerischen Verhalten neige, konnte ich bis Weißenbach und zu Beginn des nächsten Anstiegs auch nicht abreißen lassen. Irgendwann kam ich doch wieder zur Besinnung und konzentrierte mich darauf, ein für mich gesundes Tempo zu finden.
Der Anstieg zum Hochmuth war insgesamt recht unterhaltsam. Ich bestaunte tollkühn bergauf radelnde Einrad-Fahrer und Starter auf der kürzesten 20-km-Distanz, die mich eher an Teilnehmer vom SZ-Fahrradfest erinnerten. Einige Highlights: Schiebemanöver bei gerade einmal 5% Steigung sowie der Anblick von unförmigen Körpern in viel zu engen Salzkammergut-Trophy-Trikots auf sündhaft teuren Carboneseln. Die Fahrradindustrie dankt! Einer fragte mich dann auch noch, wann die nächste Labestation kommt. Klar, bei 20 km Fahrstrecke muss man höllisch aufpassen, keinen Hungerast zu bekommen;-) Der Trail begann zuerst mit einem kurzen gemeinsamen Stück, wo ich an den schiebenden Kurzstreckenradlern vorbeifegen konnte. Dann erfolgte wieder die Trennung des Feldes. Die A-Starter „durften“ einen schmalen, steilen und sehr rutschigen Wanderweg in Angriff nehmen. Absoluter Wahnsinn! Sowas kannte ich von noch keinem anderen Marathon und angesichts doch beschränkter fahrtechnischer Kompetenzen musste ich öfters runter vom Bike.
Unten angekommen, wusste ich vom letzten Jahr, was mich bis ins Ziel erwarten würde und knifflige Trailpassagen sollten zum Glück nicht mehr dabei sein. Bei sengender Hitze ging es nun eher flach um den Hallstätter See. Ein paar C-Strecken Fahrer lutschten an meinem Hinterrad und spätestens am Strandbad Obertraun hatte ich dann eher Lust auf Baden. An den Karenzzeitpunkten betrug mein Zeitpuffer jetzt fast zwei Stunden und ich wusste, dass bei normalem Rennverlauf nicht mehr viel schief gehen konnte. Ein beruhigendes Gefühl. Der Streckenmoderator begrüßte die Teilnehmer dieses Jahr nicht oben auf dem Salzberg, sondern am Fuße des Selbigen an der Durchfahrt durch das alte Direktionsgebäude des kaiserlichen Bergbaus (wieder was dazu gelernt). Diese Stelle passierte ich gemeinsam mit einem anderen Dresdner, der mich vorher anhand eines einzigen Satzes identifiziert hatte. Trotz über dreijährigem Exil in Bayern habe ich die heimatlichen Klänge doch noch nicht vollständig verlernt. Die ersten 300hm am Salzberg sind zwar steil, aber ein Witz im Vergleich zu dem was danach kommt. Jedoch war ich auch zu Beginn des Anstiegs schon reichlich im Sack, so dass ich um Kraft zu sparen, hier schon immer zwei Kehren fuhr und Eine schob. Auf dem oberen Asphaltstück mit bis zu 40% Steigung zeigte mein Fahrradcomputer keine Geschwindigkeit mehr an. Ich schob einfach zu langsam. Einige Leute sahen hier im Gesicht nicht mehr hundertprozentig gesund aus und wankten zur Erholung Richtung Schatten. Da es sich irgendwie nicht mehr wie ein Radrennen anfühlte, sondern eher wie ein Survival Camp, hatte ich für jede gequälte Seele noch aufmunternde Worte parat. Kleines Beispiel: „Jetzt bloß nicht aufgeben, es sind nur noch 1500hm und 60km bis ins Ziel“ :-)
Am Aufstieg zur Roßalm war dann mein eigener Ofen komplett aus und auch die Knie begannen empfindlich zu schmerzen. Ich musste gut ein Dutzend A-Fahrer ziehen lassen und realisierte, dass die angepeilte Zeit von 14 Stunden nicht mehr machbar war. Jetzt ging es nur noch darum, sich bis ins Ziel durchzubeißen. Oben versuchte ich neue Kräfte aus dem Verzehr eines Powerbars zu generieren. Unter Kotzkrämpfen spukte ich diese Ausgeburt der Ungenießbarkeit allerdings wieder aus.
Im letzten längeren Uphill nach dem schönen Gosausee lief es dann auch bei mir dank Cola wieder besser und einige langsamere B-Streckenfahrer motivierten mich zusätzlich nochmal alles zu geben. Auf dem Gipfel angekommen dann die geballte Faust und ein kleiner Jubelschrei. Nun war das schlimmste geschafft und es sollte tendenziell mit ein paar kleineren, aber gemeinen Rampen bergab Richtung Ziel gehen. Die Stimmung auf den letzten Kilometern war wirklich toll und jeder Entgegenkommende zeigte mit dem Daumen nach oben oder feuerte einen nochmal ordentlich an. Ich konnte erneut meine Flachland-Qualitäten unter Beweis stellen und einige Teilnehmer aufrollen. Diese freuten sich dann über einen exzellenten Windschattenspender. In den beiden letzten Wiesenschikanen konnte ich die drei Verfolger jedoch abschütteln und mit Volldampf ging es nach Bad Goisern. Kurz vorm Ziel überholte ich noch zwei A-Starter, die offensichtlich gemütlich Richtung Ziel kullerten. Falsch gedacht! Kurz vor der Bike-Expo zischten die Beiden überraschenderweise wieder an mir vorbei. An der letzten kleinen Rampe konnte ich aber erneut recht problemlos kontern. Zu Zweit bogen wir nebeneinander unter dem Applaus der Zuschauer auf die Zielgerade ein. 44-11 (alte XTR sei Dank) und ich schob mich mit mindesten einem Laufraddurchmesser Vorsprung über den Zielstrich. Echt schwach, dass es nach 14:37h keine Fotofinish-Auswertung um Platz 227 gibt :-)
Nach dem obligatorischen Abklatschen und Hände schütteln im Zielbereich folgte dann das Highlight des Sommers. Das schwarze Survivor-Shirt konnte unter Einhaltung strengster Kontrollmaßnahmen in Empfang genommen werden! Das wird jetzt solange getragen, bis meine Mitmenschen eine Sicherheitszone um mich herum errichten. Auf dem Weg zum Zeltplatz machte dann mein Hinterrad komplett dicht. Es drehte sich auch unter Gewaltanwendung keinen Millimeter mehr. Puh, ausnahmsweise mal unheimlich viel Glück mit der Technik gehabt.
Nach der ausgiebigen Dusche lief ich mit schweren Beinen Richtung „City“. Durch die etwas langwierige Suche nach Sebastian und Marcus ging es erst gegen 21 Uhr zum verdienten Abendbrot. Ich schaffte nur noch die halbe Pizza. Trotz großer Erschöpfung war danach an Einschlafen nicht zu denken. Das Adrenalin sorgte dafür, dass ich den gesamten Rennverlauf nochmal Revue passieren ließ.
Mein persönliches Fazit: Die Strecke war noch deutlich schwerer als erwartet und im Gegensatz zu namentlich nicht genannten Mitstreitern bin ich trotz verfehlten Zeitziels mit der Leistung vollauf zufrieden und extrem stolz es geschafft zu haben.
Vielen Dank auch an H.P. Baxxter, Busta Rhymes und Paul Kalkbrenner, die für zusätzliche Motivation sorgten und das Gefühl der totalen Vereinsamung bei fast 15 Stunden Renndauer verhinderten.
ergebnisse
Marcus | 31. von 66 AK | 138. von 375 gesamt | Fahrzeit: 13:41:53
Torsten | 48. von 66 AK | 227. von 375 gesamt | Fahrzeit: 14:37:05
 
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