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Ötztaler Radmarathon '10
 
 
 
 
 
5250hm Ein Höhenmetermasacker in Form von 4 alpinen Pässen: Zum Auftakt erreicht man das Kühtai mit 1200hm am Stück. Gefolgt vom sehr langen Aufstieg am Brennerpass - flach aber zäh. Mit dem 1100hm am Jaufenpass wird man noch recht gut fertig. Das Timmelsjoch jedoch fordert mit seinen gut 1800hm noch einmal alles an Psyche und Kraft.
15% Die steilste Rampe findest du am Kühtai kurz nach dem Ochsengarten. Es handelt sich um gut 0,5km langes im Schnitt 13% steiles Stück. Es fährt sich aber am Anfang des Rennen noch sehr human.
14% Auch wieder am Kühtai-Pass. Jedoch in der Abfahrt nach Kematen. An diesem Stück erreicht man fast mühelos dreistellige Geschwindigkeiten. Mit etwas Mut auch knapp 120km/h.
230km Eine landschaftlich und konditionell sehr schöne bzw. anspruchsvolle Strecke mit den Highlights: Kühtai, Brenner, Jaufenpass und Timmelsjoch im hochalpinen Ambiente der Nachmittagssonne. Streckenpunkte: Sölden | Längenfeld | Oetz | Ochsengarten | Kühtai | Sellrain | Kematen | Innsbruck | Gries am Brenner | Brenner | Gossensass | Sterzing | Jaufenpass | St. Leonhard | Moos | Timmelsjoch | Obergurgl | Zwieselstein | Sölden
gut - sehr gut Eigentlich immer perfekter Aspahlt. Ein paar Schlaglöcher am Jaufenpass und Timmelsjoch. Der Asphalt auf der Abfahrt von Jaufenpass wurden teilweise stark erneuert.
89€ Im Startgeld sind komplett gesperrte Straße mit Polizeieskorte, perfekte Verpflegung, Transponder, hochwertiger Kalender, Trinkflasche, gelungenes Trikot, Massageservice, technischer Service, Urkunde und zahlreiche Give-Aways enthalten.
www.oetztaler-radmarathon.com
Rennbericht vom Marcus
Gut ein Tag ist vergangen, seit ich mich über 4 Alpenpässe beim Ötztaler Radmarathon quälen durfte. Vielleicht tun mir aber die Beine (vor allem die Kniekehlen) nur deshalb so weh, weil ich vermutlich der Einzige war, der sich nach dem Rennen noch die Dröhnung von zusätzlichen 500hm zum Hotel nach Obergurgl gegeben hat ;) Gut für die Strecke von 13km habe ich auch fast eine Stunde gebraucht sowie einige Pause, aber aufgrund der Straßensperre konnte ich mich nicht abholen lassen. Gestern dachte ich noch, dass dies mein letzter Ötzi gewesen sein sollte, aber heute – ein wenig später – stelle ich mir bei entsprechendem Training eine Zeit von 8:30 vor. Ein ehrgeiziges Projekt für nächstes Jahr, aber eine tolle Vorbereitung für die Tour Transalp 2012. Nachdem ich Samstagabend nach gut 1000km Anreise vom 35°C warmen Balaton und Schneeregen in Obergurgl nicht gerade die Motivation übermannte, lies ich die Einrollrunde zur Mautstation am Timmelsjoch einfach aus. Es stand ja kein CC-Rennen auf dem Plan. Die Nacht war wie immer geprägt von anderthalbstündigen Schlafphasen gemischt mit ein wenig Aufregung auf morgen. Die Wetterprognose war erstaunlicher Weise hervorragend. Nur leider mit 3°C am frühen Morgen doch sehr frisch. Pünktlich 5Uhr sollte der Wecker klingeln. Da ich den Start aber nicht erwarten konnte oder ich vermutlich aufgeregt war, begab ich mich kurz vorher unter ein sehr heiße Dusche, aß meine bestellten Kalorien in Form von in Milch bzw. Zucker gelösten Haferflocken und zog alles was ich mit hatte an.
Gut eine Stunde später brachte mich Alice nach Zwieselstein, wo ich ca. eine halbe Stunde vor dem Start noch die 3km nach Sölden hinab kullerte, damit ich die Beine wenigstens kurz vor dem Start einmal bewegt hatte. Zum Glück fühlten sich die 7°C in der Startaufstellung nicht allzu kalt an. Leider stand ich aufgrund meiner späten Ankunft doch relativ weit hinten. Der Startschuss ertönte und es vergingen noch gute 8min wobei ich dann doch ein wenig vor Nervosität zitterte. Zu meinem Erstaunen verhielt sich das Feld sehr entspannt und es wurde nicht komplett auf Attacke auf den ersten 30km hinunter nach Oetz gefahren. Es war eine kalte und schnelle Passage mit einigen kleineren Gegenanstiegen. Nach gut 38min erreichte ich Oetz und der Aufstieg zum Kühtai begann. Hunderte von Fahrern zogen sich ihre Jacke und Beinlinge aus, aber bei 5°C machte dies für mich keinen Sinn. Nicht gerade vor Motivation strotzend brachte ich die ersten 1200hm des Tages in einer akzeptablen Zeit von 1:17h hinter mich. Immer mit dem Gedanken, dass ich für mein Ziel doch mindestens 10min schneller als 2008 sein sollte.
Auf der Passhöhe nur fix die Trinkflasche aufgefüllt, den obligatorischen Toilettengang und ein Packung Ride Shotes für den Magen. Wie immer ist die Kühtaiabfahrt in Sachen Speed ein Highlight. Immer gute 70-80km/h, mit über 90km/h durch die Galerien und zum Schluss noch mal 100+x ein 16% Gefälle hinab. Nach den schnellsten Stücken formierte sich dann auch schnell eine Gruppe und wir fuhren in immer größer werdender Anzahl durch die gesperrte Innsbrucker Innenstadt zum Fuße des Brennerpasses. Der Brennerpass ist so eine Passage beim Ötztaler, den ich nicht sehr gerne fahre, aber dem eine große Bedeutung zu kommt. Erwischt man hier keine gute Gruppe, verliert man viel Zeit, weil man keinen Windschatten hat. Fährt man zu schnell und lässt sich mitreißen, ist man am Jaufenpass wie tot. Trotz aller Vorsicht fuhren wir mit einer Verfolgergruppe von ca. 150 Mann den Brenner in einem Speed hoch, wo man sich noch ernsthaft als Hobbyradler fragt: 29,987km/h bedeutet 30er Schnitt an einem Pass mit gut 39km Länge und gut 700hm. Exakt nach 4:00 und bereits deutlich über 130km in den Beinen erreichte ich die Passhöhe an der Autobahn.
Wieder die gleiche Prozedur wie am Kühtai und ab in die schnelle, aber kurze Abfahrt nach Sterzing. Ich bildete mit einem anderen Fahrer das Führungsduo und wir plauderten kurz ein wenig über den Jaufenpass, die letzten Ötzis bzw. das Zeitziel von unter 9h für das diesjährige Rennen. Am Fuße des Jaufenpass entledigte ich mich dann auch den Bein- bzw. Armlinge und begann den Kampf mit dem Berg. Eigentlich ein sehr humaner Anstieg. Es wird nie richtig steil, aber es zieht sich. Irgendwann kam dann der Mann mit dem kleinen Hammer und ich fragte mich vermutlich zu Recht, warum ich eigentlich schon wieder diesen Ultramarathon fahren musste. Ich hatte nicht mehr so richtig Lust auf diese „Trainingsrunde“, aber ein Zurück gab es ja nicht mehr und schnell ankommen wollte ich sowieso. Trotzdem fühlten sich vor allem die Waden nicht mehr vertrauenserweckend an. Das Zeitziel von unter 9 Stunden hatte ich an diesem Anstieg begraben, zumal ja noch das Timmelsjoch folgte und ich mich jetzt schon in einem körperlichen Ausnahmezustand befand. Naja wie es so immer ist. Wo ein Berg ist, da komme ich auch hoch. Also auch den Jaufenpass.
Eine klare Fehlentscheidung war aber die Platzierung der Labe-Station 1km unterhalb der Passhöhe. An Essen war für mich nicht zu denken und so verließ ich mich für die letzten 60km auf die lebenserhaltende Funktion von Flüssignahrung in Form von Cola. Die Abfahrt vom Jaufenpass 2008 noch eine Horrorvorstellung mit Schüttelfrost, machte diesmal einfach nur Spaß. Ein endloses Kurvengeschlängel – schnell und anspruchsvoll. Die Straße war auch in einem deutlich besseren Zustand als 2008. Dank meines Trainingslager vor gut einer Woche und den vielen Abfahrten, hatte sich meine Fahrtechnik und sowie Psyche so verbessert, dass ich andere Fahrer überholen, mich aber nur einer überholen konnte, welcher aber eine sehr sehr heiße Rille fuhr ;)
Am Timmelsjoch begann zu meinem Erstaunen nicht ein Drama, sondern eine gebückte Pace mit 2:20. Das war gut 40min schneller als 2008 und genauso schnell wie im Trainingslager. Nur hatte ich da noch keine 3200hm in den Beinen und war vollständig am Ende. Aber Cola kann wirklich bei mir Wunder vollbringen. Bis zur letzten Labe-Station verging zwar eine Ewigkeit, aber als diese erreicht war, waren die letzten luschigen 700hm zum Pass auch kein Hindernis mehr. Ich würde es nicht direkt als Qualen bezeichnen, die letzten 3 Kehren mit gut 11% im Schnitt im nahezu Stillstand (9km/h) hinauf zu taumeln, aber es tat schon höllisch weh. Durch einen permanenten Rhythmuswechsel blieben mir Gott sei Dank Krämpfe vollkommen erspart. Vielleicht auch durch die harten bergigen Trainingseinheiten auf der großen Scheibe zu Hause. Vielleicht aber auch, weil mich Alex und Sebastian im gemeinsamen Training immer so striezen ;) Die Zeit am Timmelsjoch war für meinen körperlichen Zustand einfach nur topp. Das demonstrierte ich auch den Fotografen.
Viele Zuschauer fanden nicht den Weg an die Strecke, aber auf der Passhöhe gab es wenigstens ein paar vereinzelte Rufe in der kargen Hochgebirgslandschaft. Zumal meine Bremsen auf der Abfahrt quietschten, als ob sie gleich ihren Dienst verweigern wollten. Ich konnte nur hoffen, dass ich die anderen Fahrer beim Überholen in den Kurven nicht so erschrecke, dass sie den Hang freiwillig hinab fahren. Bei geschätzten 4 Windstärken Gegenwind erreicht wir trotz aller Bemühungen nur knappe 70km/h auf der steilen, endlos langen Gerade kurz vor dem Gegenanstieg. Ich musste nicht einmal die S-Kurve anbremsen. So überraschte es auch nicht, dass ich gerade mal noch 10-15hm mit Schwung in den Berg hinein kurbelte. Zum Vergleich eine Woche vorher: über 100km/h und 50hm mit Schwung. Am vorletzten 150hm Anstieg gar es keine großen Positionskämpfe mehr. Jeder war mit sich selbst beschäftigt und quälte sich dieses fiese Bergchen hinauf. Im Anschluss ging es von der Mautstation gut 300hm in einigen Kehren auf der letzten Rill hinab nach Obergurgl, wo sich mein Fanclub positioniert hatte, ich Alice aber leider nicht aufgrund ihrer Tarnung gesehen habe.
Noch 30km bis zum Ziel. Ich kurbelte wie ein Bekloppter, ging immer wieder in eine aerodynamische Position, überholte Fahrer um Fahrer und kam zum wirklichen letzten Anstieg nach Zwieselstein. Gut 10 Fahrer konnten sich in meinem Windschatten bis dato ausruhen. Vor mir eine 15-köpfige Gruppe. Die wollte ich unbedingt noch auf dem 40hm Anstieg knacken. Ich trat an und lies einem nach dem anderen hinter mir. Mit gut 50m Abstand ging ich auf die Abfahrt nach Sölden. Doch die Zielgerade wollte nicht aufhören. Ich musste auch nicht mehr wie lange diese ist. Ich trat Anschlag und gut 400W in die Kurbel. Mehr ging nicht mehr. Ich war blau. Ein Fahrer überholte mich noch auf Kurve in den Zielbereich. 50m noch. Nochmal volles Ballett. Nicht geschafft. Aber mit ihm bin ich sowieso vom Timmelsjoch die ganze Zeit gefahren. Also nicht so schlimm. Im Fazit: Meine Wunschzeit von 9:00 nicht erreicht, aber mit 9:15 nur knapp gescheitert. Mehr wäre nicht gegangen. An diesem Tag hat wirklich alles zusammen gepasst. Jetzt heißt es eigentlich nur trainieren, damit im nächsten Jahr 8:30 angepeilt werden können.
Ergebnis
Marcus | 244. von 789 in der AK | 705. von 3946 in der Gesamtwertung | Fahrzeit: 9:15
 
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