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Etappe 6: Andermatt - Locarno
 
 
 
 
 
2500hm Die Höhenmeter setzen sich aus gut 800hm bis zum Passo Scimfuss und gut 1200hm am Passo del Sole zusammen.
19% Beim Uphill am Passo del Sole kurz vor dem Einstieg in den Begrauftrail.
24% Verschiedene steile Abschnitte nach dem Passo Scimfuss und auf dem Trail vom Passo del Sole.
148km Streckenpunkte: Andermatt | Hospental | Passo del San Gotthardo | Passo Scimfuss | Alpe di Pontino | Orello | Val Canaria | Frasné | Brugnasco | Piora | Lago Ritom | Capanna Cadagno | Passo del Sole | Acquacala | Lukmanierpassstraße | Camperio | Dongio | Biasca | Bellinzona | Locarno
S2 - S3 Stellenweise S3 am Passo del Solle. Kurze Abschnitt mit S0 - S1. Größtenteils aber S2. Die Abfahrt vom Passo Scimfuss ist größtenteils S0 bzw. kurze Abschnitte S1 aufgrund des losen und steilen Untergrundes.
7:42 Wie immer die reine Fahrzeit.
Der Morgen begann so, wie der Abend aufgehört hatte: Es regnete, war kalt und die Wolken hingen tief über Andermatt. Es half ja nichts. Gegen halb 8 gingen wir schon fertig umgezogen zum Frühstück. Ein wenig erstaunt waren wir, als wir zusammen mit unseren Gastwirten am Tisch frühstückten.
Gott sei Dank kam Torsten`s abendliche Bekannte aus Heidenau nach uns zum Frühstück (Insider). Wir unterhielten uns über das tolle Wetter, den eventuellen Schneefall und über die Bikeroute. Gleichzeitig ging der Blick immer wieder zum Thermometer am Fenster, welches auf 1450m üNN gerademal 6°C anzeigte.
Sehr vielversprechend, wenn man noch über zwei Hochgebirgspässe mit dem Fahrrad muss. So früh wie noch nie starteten wir um 8:15 zum lockeren Einrollen nach Hospental. Von dort ging es direkt in den Anstieg zum Gotthardpass. Zunächst fuhren wir auf der alten Passstraße. Leider dank des Dauerregens etwas zäh auf dem aufgeweichten Boden.
Nach ein paar Kehren erreichten wir wieder die neue und asphaltierte Passstraße. Wir entschlossen uns auch beide, dieser bis zur Passhöhe zu folgen. Die Originalroute hätte aus wetter- und zeittechnischer Sicht keinen Sinn gemacht. Zudem wurde es zunehmend kälter. Einzig der Wind sollte uns an diesem Tag über Pässe und Landstraßen tragen.
200hm vor der Passhöhe teilte sich die Straße nochmals in alte und neue Gotthardpassstraße. Wir entschieden uns für die nostalgische gepflasterte Variante. Schnell ließen wir auch dieses historisches Pflaster hinter uns und kamen dem Gefrierpunkt immer näher.
Am fast nicht vorhandenen Passschild zogen wir bei mollig warmem 3°C alle Kleidungsstücke an, die uns zur Verfügung standen. Ich vertraute dabei auf 3 Schichten (+2) der schweizerischen Bekleidungsindustrie und hatte es echt sehr angenehm warm.
Mit dem Passo Scimfuss (auch liebevoll „Passo Stinkfuß“ genannt) stand gleich im Anschluss ohne nennenswerter Abfahrt der nächste Pass auf dem Programm, welcher uns auf einer sehr einsamen und abschüssigen Asphalt- bzw. Schotterstraße auf 2350m führte. Die eindrucksvolle Hochgebirgskulisse strahlte hier oben schon einigen Respekt aus.
Riesige Geröll- und Lawinenschikanen taten ihr übriges dafür, dass man hier oben nicht allzu lang verweilen möchte. Bis zum kleinen 40hm Gegenanstieg geht es entspannt am Hang auf Asphalt und Schotter bergab. Was dann folgte, machte einfach keinen so richtigen Spaß. Steiles und loses Gelände.
Nass und kalt, so dass der Bremsfinger und die Zähen fast einfroren. Bis Frasne änderte sich am steilen Schotterweg nichts. Einige hochprozentige Gegenanstieg kosteten doch Motivation, aber wir lagen immer noch hervorragend in der Zeit, um unser Vorhaben Locarno am heutigen Tag zu schaffen.
Also ging es nach einer 20‘ Pause in tief gebeugter Halterung weiter hinauf zum nächsten und letzten Alpenpass für diesen Cross – der Sohlenpass. Oder auch richtig benannt: Passo del Sole. Bis zur Bergstation der Zahnradbahn schafften wir zügig gut 700hm und beobachten andere Biker, wie sie mit O-Beinen ihre Knie zerstörten ;)
Eine kurze Verschnaufpause bot dann die Umfahrung des Lago Ritoms. Bei schönem Wetter sicherlich sehr idyllisch, hatten wir heute nichts so den Blick dafür. Viel lieber auf die mit Neuschnee bedeckten Alpengipfel schauen. Bis zur Alp Caroescio verläuft der Schotterweg sehr entspannt fahrbar.
Daran anschließend folgte ein Wiesentrail und Pfad der uns noch einmal alles abverlangte. Der Anstieg wurde noch einmal so unbarmherzig steil und technisch schwierig, dass der Puls Richtung 160 schoss. Der Uphill ist aber bei guter Fahrtechnik komplett fahrbar. Schwieriger wird es dann beim Eintritt in den Schlusstrail berghoch.
Warum dieser Uphill nicht als Schiebestück ausgezeichnet wurde, entzieht sich unserer Kenntnis. Bei einem Alpencross ist es fast unmöglich alles zu fahren, jedoch kann man bei Bedarf bis zu 50% fahren. Die ganze Zeit hofften wir, dass der Trail auf der anderen Seite ebenfalls so angelegt ist.
Leider wurde die Hoffnung bitter enttäuscht. Diesen Downhill nicht schwarz als Tragepassage zu kennzeichnen ist schon verwunderlich, da hier oben echt nur krasse Fahrtechnikkünstler fahren können, ohne sich dabei ernsthafte Schäden an Bike und Körper zuzuziehen.
Nach gut 200hm ist dann aber mal wieder ein Stückchen fahrbar, wenn man auch sehr oft sein Bike sehr steile Absätze hinuntertragen muss. Nach einer guten Stunde erreichten wir die Lukmanierpassstraße ohne, dass wir den Flow auf der Abfahrt spüren durften. Das Gelände war zu verblockt, steil und eng.
Auf der Straße schossen wir an zwei Rennradfahrer-Dudes vorbei, als hätten sie die Pannenmilch außen auf ihre Reifen gestrichen. So richtig konnten wir uns den immensen Geschwindigkeitsüberschuss nicht erklären. Nach gut 1900hm Abfahrt gönnten wir uns eine Mittagspause an einem kleinen Supermarkt mit erstaunlich günstigen Preisen für Schweizerverhältnisse.
Nun lagen nur noch 70km zwischen uns und dem Lago. Der Wind blies uns statt entgegen diesmal von hinten auf einen guten 50er Schnitt bis Bellinzona. Wieder überholten wir die Rennradfahrer. Lustig mit unseren ungepflegten und knarzenden Bikes.
Ich hatte es nicht mal für nötig gehalten in 6 Tagen meine Latexschläuche auch nur einmal aufzupumpen. Die letzten 20km fuhren wir dem Radweg folgend nach Locarno. Wir waren am Lago Maggoire angekommen. Erste Sahne diese Pace. Gute 150km in 7h mit 2 Hochgebirgspässen mit Schiebestück war schon eine sehr gebückte Leistung.
Leider wurde unsere Euphorie in der Touriinfo erstickt. Keine Zimmer mehr frei. Na prima. Die ganzen Intellektuellen hatten schon alles wegen der Filmfestspiele belegt. Auf mehrfaches Nachfragen wurde uns dann doch noch ein Privatzimmer angeboten. Dies war schon eine richtige Absteige.
Aber wir sind aus den letzten Tagen auch nicht anders gewöhnt und ein Dach über den Kopf hatten wir auch. Wir suchten nach der wohlverdienten Dusche noch fix das McDoof und den Supermarkt auf und ließen den Abend gemütlich auf der Bank an der Promenade mit einem kühlen Büchsenbier bzw. Chips ausklingen.
Leider wurde uns dann ein wenig später von der Security mitgeteilt, dass man als deutscher Tourist hier kein Bier am Wasser trinken darf. Wir zogen weiter und stießen erneut auf den Cross an. Diesmal in Ruhe.
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