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Vogtland Bike Marathon '10
 
 
 
 
 
900hm Der längste Anstieg mit ca. 200hm am Stück verläuft zwischen Vogtland Arena und Floßgrabenweg.
25% Am steilsten ist die Rampe hinauf zur Halde bei km 17. Aufgrund der Schnelligkeit des Rennens ist hier für fast Jeden Schieben angesagt.
41km Eine relativ schnelle Strecke garniert mit einigen spaßigen Trails. Highlight der Streckenführung ist die Passage durch die Vogtland Arena mit der neuen Skisprungschanze. Wenn das Wetter nicht verrückt spielt, kann man die Runde auch zweimal fahren.
S1 Trail zur Vogtlandarena und der Floßgrabenweg. Bei trockenen Bedingungen sollte die Strecke fahrtechnisch keine größeren Probleme bereiten.
25€ Fürs Startgeld gibt es Transponder, Socken, Duschen, Bikewäsche und einen leckeren Kesselgulasch. Für 8 € zusätzlich konnte man noch ein echt schickes Shirt erwerben.
www.vogtland-bike-marathon.com
Rennbericht vom Torsten
Da Marcus dieses Wochenende beim Ötztaler Radmarathon weilte, musste ich erstmals dieses Jahr bei mehr als schlechten Wetter alleine an einem Rennen teilnehmen. Tatkräftige Unterstützung u.a. in Form von Taxiservice erhielt ich dabei aber von meinen Eltern. Diese bestanden darauf mitzukommen, nachdem ich mich beim Heavy 24 noch beschwert hatte, dass wir weder Freunde noch Familie zur Betreuung besitzen;-) Die Vorbereitung für das Rennen hätte nicht besser laufen können. Dank der humanen Startzeit war ich ausnahmsweise ausgeschlafen und unser Alpencross sowie einige schnelle Trainingseinheiten sorgten dafür, dass meine Beine über ausreichend Bumms verfügten. Im Anmeldebüro erhöhten einige Locals vom Team Vogtland mit der Nachricht, dass die Strecke aufgrund der heftigen Regenschauer absolut unbefahrbar wäre, die Vorfreude auf das Rennen. Die 80 km Strecke wurde dann aus Sicherheitsgründen auch vom Veranstalter gestrichen. Somit musste ich wie alle Starter auf der ungewohnten Kurzdistanz von 40 km starten, die mir aufgrund meines Trainingsverhaltens der letzten Wochen aber ganz gut entgegen kommen sollte.Beim Einfahren dann der Klimaschock. Bei 9°C und böigem Wind konnte selbst eine Softshell-Jacke nicht mehr für eine angenehme Körpertemperatur sorgen. Daher rollte ich ca. 20 Minuten vorm offiziellen Start mit Weste, Armlingen und Beinlingen in den ersten Startblock.
Pünktlich 13 Uhr erfolgte dann wie bereits von der MadEast gewohnt ein „neutralisierter“ Start. Was bedeutet, dass man mit 40 km/h + X hinter einem Führungsfahrzeug herjagt. Nach ca. 500 m dann ein Abzweig nach links ins Gelände und die lustige Schlammschlacht begann. Ich konnte auf den ersten welligen Kilometern noch einige Plätze gut machen und mich in der ersten größeren Verfolgergruppe festsetzen. Im schlammigen Trail in Richtung Vogtland Arena lies ich es dann relativ optimistisch laufen und konnte noch zwei Fahrer überholen. Dabei geriet ich doch einige Male bedrohlich ins Schlingern, ohne jedoch Nahkontakt mit dem köstlichen Matsch aufzunehmen. An der Vogtland Arena am Fuße der futuristisch anmutenden neuen Sprungschanze in Klingenthal kam dann die erste steile Rampe. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen heute alles zu fahren. Da aber vor mir drei Leute nebeneinander abstiegen, blieb mir der erste Fußmarsch des Rennens hier nicht erspart. Im Anschluss folgte ein sehr langer und ständig steiler werdender Anstieg zum Floßgrabenweg. Um den Anschluss an die Gruppe nicht zu verlieren, musste ich hier an meine körperlichen Grenzen gehen und erreichte für meine Verhältnisse einen sensationellen Puls jenseits der 180 Schläge. Der Floßgrabenweg erinnerte dann stark an seinen bei der MadEast zu fahrenden Namensvetter den Flößergraben in der Tschechei. Ein schmaler Pfad schlängelte sich über unzählige rutschige Wurzeln an einem kleinen Bach entlang. Direkt vor mir stürzte dann auch gleich ein Fahrer, dem ich aber noch rechtzeitig ausweichen konnte. Ein weiterer Fahrer fuhr dann sehr vorsichtig über die nassen Wurzeln, so dass ich nach dem Trail einiges an Kraft investieren musste, um wieder auf die Gruppe aufzuschließen. Die sogenannte Halde sollte an diesem Tag der letzte Anstieg für mich sein. Hier war für mich und die meisten anderen Fahrer aufgrund der extremen Steilheit und der ständigen Sauerstoffschuld Schieben angesagt. Was folgte war eine schnelle ruppige Abfahrt, bei der ich aufgrund einer geschlossenen Schlammschicht auf den Pupillen mein Bike nicht gerade die materialschonende Ideallinie entlang zirkelte. Kurz nach der Abfahrt spürte ich dann auch schon ein schwammiges Fahrgefühl am Hinterrad. Zum ersten Mal hatte ich mir in einem Rennen einen Plattfuß eingefangen und das exakt zur Rennhälfte nach 20 km. Auf der Lauffläche trat aus einem kleinen Loch Luft und Pannenmilch aus. Ganz anders als in der Internetwerbung schaffte die Milch es jedoch nicht dieses winzige Loch in kurzer Zeit abzudichten. Ich musste das Rad ausbauen und eine ganze Weile schütteln um meinen Reifen wieder dicht zu bekommen. Einen Schlauch konnte ich leider nicht einsetzen, da die Milch den Reifen zu stark an der Felge verklebt hatte und sich dieser daher im Rennstress nicht abziehen ließ. Nach ca. 10 Minuten konnte ich dann gefrustet weiterfahren und das Feld von hinten aufrollen. Nach 2 km war der Reifen wieder luftleer, da ich beim Nachpumpen wohl die Ventilmutter gelockert hatte. Dies detektierte ich erst nach erneut schier endlosen 10 Minuten. Da mich nun schon ca. 100 Fahrer überholt hatten, war eine gute Platzierung auf dieser kurzen Distanz nicht mehr möglich und ich entschloss mich zusammen mit einem anderen pannengeplagten Fahrer aus Meißen aufzugeben und laut fluchend über die Straße zurück nach Schöneck zu fahren. Eigentlich eine dumme und luschige Entscheidung. Ich hätte mir ja wenigstens noch den Rest der Strecke als Erfahrung für nächstes Jahr anschauen können. Aber ich war einfach zu sehr angepisst. Im Ziel sollte sich mein Frust dann noch vergrößern. Beim Blick auf die Ergebnisliste zeigte sich, dass die Fahrer vom Team Vogtland, mit denen ich bis zur Panne zusammen gefahren war, alle unter den Top30 gefinisht hatten. Das wäre für mich ein Wahnsinns-Ergebnis gewesen.
Fazit: Es war ein tolles Erlebnis mal so weit vorne mitzufahren. Das Rennen war gut organisiert, die Strecke hat trotz des Schlammes (oder vielleicht gerade deswegen) extrem viel Spaß gemacht und das T-Shirt hätte auf jeden Fall einen Design-Preis verdient. Jetzt heißt es weiter hart trainieren und das ach so tolle Tubeless-System wieder gegen Latexschläuche zu tauschen. Ein Hoch auf den Hype der Bike-Bravos. Meiner Meinung nach ist so ein System nur für Profis geeignet, die sich von einem eigenen Mechaniker vor jedem Rennen nagelneue Reifen inklusive stundenlangen Schütteln und Drehen aufziehen lassen.
 
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